Was Zuckerbergs Spickzettel verrät

Ein Schnappschuss aus dem Facebook-Hearing im US-Senat zeigt, wie sich Mark Zuckerberg gegen Angriffe vorbereitet hatte.

«Das ist nicht das, wofür wir stehen»: Unterlagen von Mark Zuckerberg anlässlich seiner Befragung im US-Senat.

«Das ist nicht das, wofür wir stehen»: Unterlagen von Mark Zuckerberg anlässlich seiner Befragung im US-Senat. Bild: Keystone

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Es ist nur ein Detail des Facebook-Hearings im US-Senat, aber ein pikantes: In den sozialen Medien kursiert ein Pressefoto, das zwei Seiten Notizen zeigt, die Facebook-Chef Mark Zuckerberg zu seiner Befragung mitgebracht hatte. Mit der Veröffentlichung des Fotos ist die Privatsphäre von Zuckerberg verletzt worden – und dies ausgerechnet bei einem Hearing, in dem es um Datenschutz ging. Vom Inhalt her sind die Spickzettel Zuckerbergs nicht sonderlich spektakulär. Sie zeigen aber, wie sich der Facebook-Chef vorbereitet hatte. Schliesslich durften die Senatoren zu allen Themen Fragen stellen, also nicht nur zum Datenmissbrauchsskandal um die Firma Cambridge Analytica.

Angriff gegen Apple vorbereitet

Zuckerberg hatte sich auch zu Fragen vorbereitet, die dann im Hearing gar nicht gestellt wurden. Nicht thematisiert wurde zum Beispiel die Kritik, die Apple-Chef Tim Cook an Facebook geäussert hatte. Cook bezeichnete das Geschäftsmodell von Facebook «Invasion der Privatsphäre». Wäre Zuckerberg mit den Aussagen von Cook konfrontiert worden, hätte er Apple angegriffen. Laut Zuckerbergs Spickzettel gibt es «viele Geschichten über Apps, die Apple-Daten missbrauchen». Apple habe seine Nutzer nie darüber informiert. Schliesslich hätte der Facebook-Chef die Senatoren darauf hingewiesen, dass sie «für alle denselben Massstab anlegen müssen».

Auch auf Fragen nach einem möglichen Rücktritt als Firmenchef war Zuckerberg vorbereitet. «Zurücktreten? Habe Facebook gegründet. Meine Entscheidung. Habe Fehler gemacht», heisst es auf dem Spickzettel. «Grosse Herausforderung, aber haben schon vorher Probleme gelöst, werden dieses auch lösen. Handeln bereits.» Falls Zuckerberg gefragt worden wäre, ob er wegen des Skandals um Cambridge Analytica Mitarbeitende entlassen werde, hatte er folgende Antwort parat: «Das war meine Verantwortung. Werde keine Leute unter den Bus werfen.»

Video: Zuckerberg entschuldigt sich vor US-Kongress

«Das war meine Verantwortung»: Der Facebook-Chef nimmt Stellung. Video: Reuters

Laut «New York Times» und anderen US-Medien hatte sich Zuckerberg von Kommunikationsprofis für das publikumswirksame Hearing coachen lassen. Mitarbeiter und Berater schlüpften demnach in die Rollen von Parlamentariern und «grillten» probeweise den Konzernchef. Auch Zuckerbergs Outfit war sorgfältig gewählt. Statt des üblichen T-Shirts trug er einen dunklen Anzug mit blauer Krawatte.

Strategie bei heftigen Vorwürfen

Auch zur neuen Datenschutzverordnung der EU, die Ende Mai in Kraft tritt, war Zuckerberg instruiert worden, nicht alle Fakten auf den Tisch zu legen. «Nicht sagen, dass wir bereits tun, was die Verordnung fordert.» Zuckerberg wollte sich wohl nicht festlegen lassen, den weitgehenden Schutz in der EU auf die USA auszuweiten.

Auf seinem Spickzettel war auch notiert, wie Zuckerberg reagieren sollte, falls er bei den Fragen der Senatoren mit allzu heftigen Vorwürfen gegen sein soziales Netzwerk konfrontiert würde: «Respektvoll weise ich das zurück.» Und weiter: «Das ist nicht das, wofür wir stehen.» Zu Facebooks Geschäftsmodell hatte sich Zuckerberg folgenden Text zurechtgelegt: «Ich will es ganz deutlich machen: Facebook verkauft eure Daten nicht. Eure Informationen gehören euch. Wir geben euch Kontrolle darüber.»

Der Gründer des mit zwei Milliarden Nutzern weltweit grössten Onlinenetzwerks gelobte Besserung und sprach von einem tief greifenden Kurswechsel: «Wir vollziehen eine Wende in unserer Philosophie.» Man werde eine «proaktivere Rolle» einnehmen und dafür sorgen, dass Facebooks Vernetzungsinstrumente nicht missbraucht werden.

So banal und floskelhaft die Antworten auf dem Spickzettel waren, viele davon sagte Zuckerberg in der Anhörung tatsächlich. Seinen mehr als fünf Stunden langen Auftritt vor dem Ausschuss des US-Senats meisterte der 33 Jahre alte Facebook-Chef insgesamt mit Bravour. Auch weil bei vielen Themen die kritischen Nachfragen ausblieben. Die Wissenslücken vieler Senatoren zu Facebooks Geschäftsgebaren waren wohl zu gross. (vin)

Erstellt: 12.04.2018, 14:13 Uhr

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