Moskau hat im Fall Skripal ein Schweizer Labor im Visier

Die Spuren des Giftanschlags von Salisbury führen angeblich nach Russland. Der Kreml zieht das in Zweifel – mit dem Labor Spiez.

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Ein Schweizer Labor steht seit dem Wochenende im Zentrum der russischen Strategie, um die Ergebnisse der unabhängigen Untersuchung zur Vergiftung des Doppelspions Sergei Skripal und dessen Tochter in Zweifel zu ziehen. Der russische Aussenminister Sergei Lawrow behauptete am Samstag in Moskau, Ergebnisse der Analysen im Labor Spiez, dem Schweizerischen Institut für den Schutz vor ABC-Waffen, seien bewusst zurückgehalten worden.

Letzte Woche hatte die Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) in einem Kurzbericht erklärt, bei einer Untersuchung von Blutproben von Skripal und seiner Tochter in verschieden Labors in anderen Ländern seien die Erkenntnisse Grossbritanniens «in Bezug auf die Identität der toxischen Chemikalie» bestätigt worden. Das verwendete Gift wird zwar in dem Bericht nicht benannt. Doch die britischen Behörden hatten zuvor unmissverständlich klargemacht, dass bei dem Anschlag im englischen Salisbury Anfang März auf die Skripals ein Nervengift der Nowi­tschok-Gruppe zum Einsatz gekommen war. Ein Gift, das in der Sowjetunion entwickelt worden war. Der Fall führte zu einer schweren diplomatischen Krise zwischen Russland und Grossbritannien sowie zahlreichen weiteren westlichen Staaten.

Video: Julia Skripal aus Krankenhaus entlassen

Die Tochter des früheren Doppel-Agenten hat den Gift-Anschlag überlebt. Video: TA/Reuters

Der britischen Darstellung widerspricht Russland, das in den letzten Tagen den vollständigen Bericht der OPCW erhalten hat. Darin sind gemäss Aussenminister Lawrow Erkenntnisse zu einem vom Westen entwickelten Kampfstoff verschwiegen worden. Das Labor Spiez habe in den Proben vom Tatort Spuren des Nervengifts BZ nachgewiesen.

Ein Kampfstoff aus dem Westen

Im Bericht der OPCW sei diese Information aber nicht aufgetaucht, sagte Lawrow. Auch die Symptome des Ex-Spions und seiner Tochter Julia deuteten darauf hin, dass der Kampfstoff BZ bei dem Angriff verwendet worden sei. Eine solche Substanz sei weder in der Sowjetunion noch Russland entwickelt worden. Das Nervengift sei aber von den USA, Grossbritannien und anderen Nato-Staaten genutzt worden.

Laut Lawrow, der sich auf «vertrauliche Informationen» berief, hatten die Experten des Labors Spiez ihre Untersuchungsergebnisse an die OPCW übermittelt. Es stelle sich die Frage, wieso ihre Erkenntnisse nicht in den Bericht der Organisation eingeflossen seien.

Nach Angaben Lawrows wiesen die Schweizer Experten in den Proben der Skripals auch Spuren eines Gifts aus der Nowitschok-Gruppe nach. Es seien beträchtliche Mengen des Kampfstoffs A-234 festgestellt worden. Diese Angaben zweifelte der russische Aussenminister wiederum an. Nach seiner Aussage wäre ein Angriff mit einer grösseren Dosis des Gifts tödlich verlaufen.

Spiez reagiert

Auf Twitter wies das Labor Spiez darauf hin, dass nur die OPCW die Behauptungen Lawrows kommentieren könne. Es wiederholte aber seine Stellungnahme von Anfang April: Man habe keinen Zweifel daran, dass das britische Militärlabor Porton Down tatsächlich Nowi­tschok nachgewiesen habe. Die Untersuchungsstandards der OPCW-Mandatslabors seien so rigide, dass man den Resultaten vertrauen könne.

Gemäss Porton Down konnte Nowi­tschok in den Proben nachgewiesen werden. Die Quelle des Gifts sei aber unklar. Der Leiter des Labors sagte, Nowi­tschok sei nur sehr schwer herzustellen: «Dazu hat wahrscheinlich nur ein staatli­cher Akteur die Fähigkeiten.» (TA/sda)

Erstellt: 16.04.2018, 08:28 Uhr

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