Die allerschönste Wanderung der Schweiz?

In dieser Rubrik beantworten unsere Redaktoren die am häufigsten gegoogelten Fragen.

Gäbe es für Bänkli Sterne von eins bis fünf, hätte dieses – bei Märis – sieben.

Gäbe es für Bänkli Sterne von eins bis fünf, hätte dieses – bei Märis – sieben. Bild: Nabi Travels

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Diese Frage ist eine Gesundheitsgefährdung. Sie kann einen Vielwanderer in den Wahnsinn treiben, das Erinnerungskarussell beginnt sich zu drehen und wird immer schneller, die Bilder schiessen vorbei: Da sind die Kräuselwellen über dem frühlingshaften Oberblegisee mit Hund Emil auf Kaulquappenpirsch. Da sind die historischen Holzleitern durch die morgenklamme Wand bei Albinen und das lustvolle Gruseln am senkrechten Fels. Da ist der Blick vom Grossen Mythen hinab nach Brunnen wie aus dem Helikopter, Wandern ist auch Fliegen. Welches ist die allerschönste Wanderung der Schweiz?

Nur ein Sadist kann das fragen. Die Antwort ist Hybris, sie muss entstehen, indem man eine Liste mit rund 200 Routen erstellt und 199 streicht. Aber es muss wohl sein.

Also: Die allerschönste Wanderung der Schweiz beginnt mit der Schifffahrt über den Vierwaldstättersee von Luzern nach Vitznau; es ist touristische Magie, wie alle Sorgen hinwegflattern. Von Vitznau ziehen wir auf die Wissifluh, die sowohl eine böse Fluh ist als auch eine liebe Wiesenfläche mit Restaurant.

«Heugümper springen uns über die Schuhe, die Luft ist psychedelisch, die Augen gehen über.»

Halb oben, bei Sankt Antöni, steht der Heilige anrührend in einem holzfällerhaften Unterstand; Antöni muss halt nehmen, was der Ort hergibt. Etwas höher gibts Abenteuerfeeling auf der schmalen Passage durch eine Felswand. Eine gute Wanderung muss Psychodrama sein und alle Emotionen bespielen, bei der Wissifluh atmen wir auf, uff, alles wieder gut.

Nein, unendlich viel besser als gut. Himmlisch ist dieser Blick von der Beizenterrasse auf den See, dessen Bläue wie Rio de Janeiro anmutet mit dem Bürgenstock als Zuckerhutbehelf. Im Abstieg zur herrlichen Gartenwirtschaft von Kuorez und wieder nach Vitznau kommen wir bei Märis zu einem Bänkli. Zu DEM Bänkli – gäbe es für Bänkli Sterne von eins bis fünf, hätte dieses sieben.

Es steigert in seiner unverstellten Lage noch einmal die Sicht aufs Wasser mit den Spielzeugsegelbötchen und auf die Charismaberge rundum. Heugümper springen uns über die Schuhe, die Luft ist psychedelisch, die Augen gehen über.

Warum denn Cannabis legalisieren, wenn es ein derart berauschendes Bänkli gibt? Dies ist wirklich die allerschönste Wanderung der Schweiz.

Sie ist sanft und wild, grün und grau und blau, keuchendes Aufsteigen und behutsames Absteigen und ekstatisches Schauen und stilles Kontemplieren in drei Intensivstunden. Hingehen, ausprobieren, weinen!

Thomas Widmer schreibt die Wanderkolumne in der «Schweizer Familie».

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 12.10.2018, 15:18 Uhr

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