Das Internet ist kein Dämon

Die Web-Skepsis sollte rational bleiben.

Das Netz ist keine Waffe: An einem Schaufenster steht «Wir ziehen um . . . ins Internet» geschrieben. Bild: Samuel Schalch / Tages-Anzeiger

Das Netz ist keine Waffe: An einem Schaufenster steht «Wir ziehen um . . . ins Internet» geschrieben. Bild: Samuel Schalch / Tages-Anzeiger

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1985, als das Fernsehen ungefähr so alt war wie das Internet heute, warnte der Medienwissenschaftler Neil Postman vor dem Massenmedium. Es bringe Verblödung, Entdemokratisierung, Kommerzialisierung, Manipulation.

Ans World Wide Web knüpften sich auch deshalb so grosse Hoffnungen: endlich eine Infrastruktur, die einen herrschaftsfreien Diskurs ermöglicht. Die Erfinder träumten vom kostenlosen und freien Informationstausch.

25 Jahre später scheint der Traum geplatzt. Angesichts eines twitternden US-Präsidenten, der Facebook-Skandale und des Unbehagens über Google kippt die Stimmung. Selbst Internetpioniere warnen vor den Tech-Konzernen.

Das Internet ist uns weniger fremd, als es scheint

Die Ernüchterung dämpft die übermässigen Erwartungen der Anfangszeit. Doch die Skepsis sollte rational bleiben. Das Netz ist keine Waffe und kein Dämon. Die Argumente vieler Kritiker ähneln denen gegen das Fernsehen. Dabei wird das World Wide Web noch viel mehr verändern.

Angst muss man aber keine haben, denn das Internet ist uns weniger fremd, als es scheint. Vielmehr ist das Netz die Weiterentwicklung dessen, was das Menschsein ausmacht: Kommunikation, Kooperation, Konnektivität. Was Menschen von Tieren unterscheidet, schreibt der Historiker Yuval Noah Harari, sei die Fähigkeit, sich in grossen Gesellschaften flexibel zu organisieren und zusammenzuarbeiten.

Genau dies ermöglicht das Internet. Es birgt damit einen Schlüssel, um globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel zu begegnen. In weltweiter Vernetzung können sich Forscher besser austauschen und wirksamere Lösungen entwickeln. Das vernetzte Wissen könnte der Menschheit das Überleben sichern. Was dieser Utopie derzeit im Weg steht, ist die Machtkonzentration bei den Tech-Riesen. Die Politik sollte sich daran wagen, sie zu zerschlagen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.05.2018, 19:11 Uhr

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