Was tun, wenn sich das Paar nichts wünscht?

Immer häufiger heisst es vor Geburtstagen oder Hochzeiten, dass sich der Betroffene gar nichts wünscht. Aber soll man sich auch daran halten?

«Wir haben ja schon alles»: Viele Paare haben keine konkreten Geschenkwünsche. Foto: Patrick Pleul (Keystone, DPA)

«Wir haben ja schon alles»: Viele Paare haben keine konkreten Geschenkwünsche. Foto: Patrick Pleul (Keystone, DPA)

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Mein Mann und ich sind zur zweiten Hochzeit seiner Schwester eingeladen. Das zukünftige Brautpaar wünscht sich ausdrücklich nichts, materiell hätten sie alles. Nun überlegen sich alle, was sie ihnen trotzdem schenken könnten, wie Gutscheine für Theater oder Ähnliches für gemeinsame Stunden. Ich bin der Meinung, wenn sich das Paar nichts wünscht, dann sollte man diesen Wunsch respektieren und nichts schenken. Nicht, dass das Paar lauter Ver­legenheitsgutscheine erhält, welche es ja eigentlich nicht will oder verhindern möchte. Was meinen Sie?

N. W.

Liebe Frau W.,Sie sind ganz eindeutig ein höflicher Mensch, denn Sie respektieren den Wunsch des Brautpaars. Dieses wünscht sich: nichts. Es wird seine Gründe dafür haben.

Der eine, der offizielle, ist jener, dass man bereits alles hätte. Das dünkt mich nachvollziehbar, da Sie erwähnen, dass es für die Braut die zweite Hochzeit sei. Das lässt den vorsichtigen Schluss zu, dass sie nicht mehr in den Zwanzigern ist, sondern eher Mitte 40. Dass sie also mitten im Leben steht, schon gereist ist, sich das eine oder andere geleistet hat und vor allem weiss, was sie will.

Der inoffizielle Grund gründet vermutlich ebenfalls in der Tatsache, dass die Braut bereits erfahren ist in Sachen Heiraterei. Womöglich denkt sie noch heute mit Schrecken an die Präsente von Hochzeit Nummer 1 zurück, an die Gutscheine, die immer noch zuunterst in der Schreibtischschublade vor sich hingammeln und die sie nie im Leben vorhatte, einzulösen, weil sie weder Übernachtungen im Iglu mag noch Heissluftballonflüge. Eventuell ist die Braut sozusagen geschenkmässig traumatisiert. Da muss man erst recht vorsichtig agieren.

Zur Lüge gezwungen

Das Problem ist, dass die Schenkenden ihre Idee bisweilen brillanter finden als die Beschenkten selbst, ja, dass die beim Auspacken vor Freude in die Hände klatschen, während die Beschenkten, auf das Präsent starrend, denken, jessesbittenicht. Der Schenkende zwingt damit die Beschenkten zur Lüge, weil sie lächeln und artig Danke sagen müssen, obschon sie das Ding am liebsten aus dem Fenster werfen würden. Es geht aber beim Schenken nicht um den Schenkenden. Es ist ­andersrum.

Seien Sie und Ihr Mann, liebe Frau W., daher einfach vergnügte Gäste, die tanzen und feiern und geistreich unterhalten und Charme versprühen, dergestalt wird das Fest unvergesslich. Und ­sicher nicht mit einem Gutschein für einen, bewahre, Spa-Besuch.

Haben Sie Fragen? Schicken Sie sie an gesellschaft@tages-anzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.06.2017, 07:59 Uhr

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