Was hinter dem neuen Roaming-Abo der UPC steckt

Sie schaffe das Roaming ab, meldet die UPC. Das stimmt nicht. Für den Kunden gibt es dennoch gute Neuigkeiten.

UPC mischt den Markt auf: Ein Reisender am Flughafen Ottawa, Kanada. Foto: Justin Tang («The Canadian Press» via AFP)

UPC mischt den Markt auf: Ein Reisender am Flughafen Ottawa, Kanada. Foto: Justin Tang («The Canadian Press» via AFP)

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Seit letztem Donnerstag bezahlen Bürger der Europäischen Union keine Roaminggebühren mehr. Innerhalb der EU telefonieren oder surfen sie also zu den gleichen Preisen wie in ihrem Heimatland. Die EU hatte die von den Telecomunternehmen erhobenen Zuschläge über Jahre gedrückt und schliesslich ganz abgeschafft. Als Nicht-EU-Mitglied ist die Schweiz nicht Teil dieser Regelung. Schweizerinnen und Schweizer bezahlen also weiterhin Roaminggebühren, wenn sie ein ausländisches Netz benutzen.

Heute Morgen machte nun aber die Kabelnetzbetreiberin UPC mit einer aufsehenerregenden Mitteilung auf sich aufmerksam. Deren Titel: «UPC schafft Roaming ab». UPC wie die EU also? Ist das die Erlösung für die Roaming-geplagten Schweizerinnen und Schweizer? Die Antwort ist leider ernüchternd. Was UPC in der neuen Mitteilung bekannt gibt, ist lediglich die Einführung von neuen Handyabos. Bei diesen sind die Roaminggebühren im monatlichen Abopreis inkludiert. Solche Abos gibt es aber bereits von diversen anderen Telecomanbietern.

Günstiger als bei der Konkurrenz

Viel Aufregung also um nichts? Nein. Denn die Situation verändert sich für Schweizerinnen und Schweizer durchaus zum Guten. Die neuen Handyabos von UPC sind deutlich günstiger als jene der Konkurrenz, bei denen Roaming ebenfalls inklusive ist. 35 Franken monatlich kostet das billigste Roamingpauschalabo von UPC. Es enthält ein Gigabyte Datenvolumen, das in der Schweiz oder im Ausland verwendet werden kann, sowie unbeschränkte Anrufe und SMS in der EU. Allerdings sind nur Anrufe aus dem Ausland in die Schweiz oder innerhalb des Aufenthaltslandes gebührenfrei. Von der Schweiz in EU-Länder sowie zwischen verschiedenen EU-Ländern kann nicht roamingfrei telefoniert werden.

Dennoch sei das neue Abo interessant, finden die beiden Internetvergleichsdienste Verivox und Dschungelkompass. Ralf Beyeler, Telecomexperte bei Verivox, bezeichnet die 35 Franken für das kleinste Abo als «Kampfpreis». Damit mische UPC den Markt auf. Ein Vergleich von Verivox zeigt, dass die Konkurrenz deutlich teurer ist: So kostet bei der Swisscom das günstigste Abo mit Inklusiv-Roaming, das inOne XS, 60 Franken pro Monat. Allerdings sei bei diesem Abo das Internet sehr langsam, sagt Beyeler. Salt verlangt 89 Franken für das günstigste Abo mit Roamingtelefonminuten und Roamingdaten. Bei Sunrise sind es 100 Franken.

Roaming kostet noch immer extra

Für Rappenspalter, die das Handy auch im Ausland nutzen wollen, gäbe es zwar noch günstigere Möglichkeiten, sagt Beyeler. Wer sich vor den Ferien informiere und die passenden Optionen und Pakete kaufe, fahre je nach Nutzungsverhalten noch billiger. Für Kunden, die sich vor ihren Ferien nicht mit Roamingtarifen befassen wollten, sei das Abo jedoch ein gutes Angebot.

Das neue Abo von UPC ist Ausdruck davon, dass die Roaminggebühren auch in der Schweiz laufend sinken. Dennoch fallen die Roamingtarife bei diesem – entgegen der Ankündigung – nicht komplett weg. Denn die UPC-Abos sind auch in einer Inlandvariante zu haben, ohne Inklusiv-Roaming. Sie kosten dann monatlich 6 Franken weniger. Roaming kostet also faktisch noch immer extra. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.06.2017, 14:46 Uhr

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