Armeechef will Internet-Pausen für Rekruten

Philippe Rebord möchte den Einstieg ins Militär etwas sanfter gestalten – und den jungen Männern eine Viertelstunde im Internet gönnen.

«Wenn der Rekrut während der Nacht surft, hat er nach zwei Tagen ein Problem»: Armeechef Philippe Rebord. Foto: Reto Oeschger

«Wenn der Rekrut während der Nacht surft, hat er nach zwei Tagen ein Problem»: Armeechef Philippe Rebord. Foto: Reto Oeschger

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Wie begeistert man junge Menschen für die Schweizer Armee? Wie schafft man es, dass sich diensttaugliche Männer für das Militär und nicht den Zivildienst entscheiden? «Die Armee ist ein Spiegel der Gesellschaft, und darum muss sich auch die Armee an diese Gesellschaft anpassen», sagt Philippe Rebord (60) in seinem ersten grossen Interview, seit er zu Beginn des Jahres Chef der Schweizer Armee geworden ist.

Auf die junge Generation sei zwar Verlass, sagt Rebord, doch hätten die Leute der Generation Z, die nun in die Rekrutenschule kommen, ein anderes Weltbild als die Jungen zuvor. Die Folge davon: Noch nie sei die Schere zwischen zivilem und militärischem Leben so gross gewesen wie heute. Das zeige sich an kleinen Dingen. Man müsse nur daran denken, wie oft die jungen Menschen heute im Internet seien, sagt der Chef der Armee. «Wenn sie in die Armee kommen, bleibt ihnen dafür nur die Nacht. Und wenn der Rekrut während der Nacht surft, hat er nach zwei Tagen ein Problem.»

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Luftwaffe hat Priorität

Es brauche darum eine grössere Anpassungsphase an das militärische Leben. «Wir müssen den Einstieg sanfter gestalten, um im ersten Monat weniger Leute zu verlieren.» Momentan sind verschiedene Massnahmen in Planung, darunter auch eine «Internet-Viertelstunde» für die Rekruten, während der sie tagsüber mit der Welt kommunizieren können. Schon heute werden während Offizierslehrgängen Zeiten eingeschaltet, in denen die Anwärter ihren privaten Geschäften nachgehen können.

«Alle Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten des Heeres müssen Verständnis haben, dass die dritte Dimension Priorität hat.»Philippe Rebord

In seinem ersten Interview spricht Rebord auch über den künftigen Finanzbedarf seiner Truppe. Er möchte – wie alle seine Vorgänger – eher mehr als weniger Geld. Wenn das Budget jedes Jahr um 2 Prozent wachse, sei man 2030 bei 6 Milliarden Franken. Dieses Geld will Rebord prioritär in die dritte Dimension investieren, in die Luftwaffe also – und nicht in die ebenfalls in die Jahre gekommenen Panzer- und Artilleriesysteme. «Alle Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten des Heeres müssen Verständnis haben, dass die dritte Dimension Priorität hat.»

Damit sei es aber nicht getan, sagt der Chef der Armee. Die aktuell diffuse ­Sicherheitslage in Europa und der Welt weise den Trend in Richtung einer robus­teren Armee, sagt Rebord. Also einer teureren.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.06.2017, 23:13 Uhr

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