Deo testen, Traube probieren – was man im Laden darf und was nicht

Wie streng sind Coop, Migros & Co. wirklich? Wir haben beim Konsumentenschutz nachgefragt. 14 Antworten, die uns das Shoppen erleichtern.

Der Dude öffnet in «The Big Lebowski» eine Packung Milch und trinkt daraus: Juristisch betrachtet, ist das unrechtmässige Aneignung. Bild: PD

Der Dude öffnet in «The Big Lebowski» eine Packung Milch und trinkt daraus: Juristisch betrachtet, ist das unrechtmässige Aneignung. Bild: PD

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Darf ich meinen grossen Samstagseinkauf mit lauter Kleingeld bezahlen?
Ja, aber nur wenn es nicht mehr als 100 Münzen sind. Gemäss dem Gesetz über die Währung und die Zahlungsmittel besteht dafür eine Annahmepflicht – egal wie lang die Schlange an der Kasse hinter Ihnen ist. Allerdings kann ein Geschäft die Annahme von Bargeld generell verweigern, wenn es dies den Kundinnen und Kunden vorher mit einem Hinweis oder per AGB mitteilt. Das ist alles andere als kundenfreundlich, aber grundsätzlich erlaubt.

Darf ich ein Weggli schon vor der Kasse aufessen?
Nein. Denn Sie machen sich der unrechtmässigen Aneignung schuldig. Eine solche begeht, wer ohne Bereicherungsabsicht, also ohne klauen zu wollen, etwas an sich nimmt, das ihm nicht gehört. Genau das tun Sie, wenn Sie ein Weggli im Laden essen. Denn erst wenn Sie es bezahlt haben, gehört das Weggli Ihnen. Doch gemach: Der Supermarkt müsste zuerst einen Strafantrag einreichen, was mit Aufwand verbunden ist. Dass Sie für ein Weggli bestraft werden, ist also quasi ausgeschlossen.

Darf ich meine Einkäufe in die eigene Tasche statt ins Einkaufskörbli legen?
Jein. Rein juristisch ist das kein Diebstahl, denn Sie wollen sich ja nicht bereichern. Praktisch ist das aber schwer zu beweisen, etwa wenn die Verkäuferin misstrauisch geworden ist und Sie dazu auffordert, doch bitte ein Körb­li zu nehmen. Das Personal kann Sie jedoch nicht zwingen, einen Einkaufskorb zu benutzen.

Zu Hause merke ich, dass ich statt tiefgekühlter Gemüse-pizza eine Salamipizza gekauft habe. Darf ich sie umtauschen?
Jein. Juristisch handelt es sich bei Ihrem Kauf um einen wesentlichen Irrtum, da Sie einen anderen Vertrag eingehen wollten als den­jenigen über die Salami­pizza. Also können Sie die Pizza grundsätzlich umtauschen, Sie schulden dem Supermarkt aber Schadensersatz, wenn die Pizza bereits aufgetaut ist und nicht weiterverkauft werden kann. Ist das nicht der Fall, müsste sie der Supermarkt umtauschen.

Darf ich Zeitschriften lesen, ohne sie zu kaufen?
Ja. Sie können die Zeitschrift so weit durchblättern und lesen, bis Sie sich ein differenziertes Bild machen können, ob Sie sie kaufen wollen. Wenn Sie aber weiter als bis zu diesem Mass lesen, müssen Sie die Zeitschrift kaufen, weil der Informationswert des Produktes quasi bereits auf Sie «übergegangen» ist. Vorsicht: Nur wenn die Zeitschrift unversehrt bleibt, sodass sie zum gleichen Preis verkauft werden kann, müssen Sie keinen Schadenersatz zahlen. Ansonsten schon. Bei Eselsohren dürfte das selten der Fall sein.

Wenn der gescannte Preis an der Kasse höher ist als auf der Etikette, darf ich den tieferen bezahlen?
Ja. Die Preise auf einem Produktetikett sind verbindlich. Wenn der Etikettenpreis jedoch offensichtlich zu niedrig ist, zum Beispiel 160 statt 1600 Franken, kann sich das Geschäft auf den Erklärungsirrtum berufen, und Sie müssen den «richtigen» Preis bezahlen. Ein grosses Problem besteht bei dynamischen Preisschildern, weil Sie den digitalen Preis eine halbe Stunde später an der Kasse eventuell nicht mehr beweisen können.

Darf ich probieren, ob die Trauben süss sind, bevor ich mich für den Kauf entscheide?
Nein. Streng gesehen, handelt es sich dabei um Diebstahl, falls Sie dann die Trauben nicht kaufen. Wenn Sie die probierten Trauben letztlich doch bezahlen, finden wir uns in der Thematik des Weggli wieder, das vor der Kasse bereits gegessen wird (siehe zweite Frage). Am besten fragen Sie jemanden im Supermarkt, ob Sie eine Traube probieren dürfen.

Darf ich an Shampoos riechen oder Deosprays testen, wenn ich nichts beschädige?
Jein. Bei Shampoos oder Waschmitteln geht das, sofern das Produkt und dessen Verpackung intakt bleiben. Deosprays dürfen Sie hingegen nicht ausprobieren: Denn bei Ihrem Test geht die vom Supermarkt versprochene Menge an Millilitern verloren – was Sie grundsätzlich zu einem Schadensersatz gegenüber dem Supermarkt verpflichten würde.

Darf ich eine faule Aprikose aus dem Körbli nehmen und durch eine frische aus einem anderen Körbli ersetzen?
Nein. Da die Früchtekörbchen meistens einen fixen Preis haben, der sich nach dem Gewicht richtet, stimmt der zu bezahlende Betrag in der Regel nicht mehr mit dem effektiven Gewicht des Korbes überein. Daher müssen Sie im Extremfall mit einer Busse rechnen, da Sie damit einen geringfügigen Betrug begehen. Zudem handelt es sich beim Früchtekörbchen um ein fixes Angebot des Supermarktes, weshalb Sie grundsätzlich für jedes Austauschen die Einwilligung eines Verkäufers benötigen.

Muss ich ein unverpacktes Brot oder Gemüse kaufen, wenn ich es anfasse?
Nein. Es sei denn, Sie verschmutzen das Produkt derart, dass es nicht mehr verkauft werden kann, oder der Supermarkt verlangt das so. Diese Pflicht gilt jedoch nur, wenn sie gut sichtbar ausgeschildert ist.

Wenn ich beim Vorbeigehen ein Regal umkippe und die Ware danach beschädigt ist, muss ich sie bezahlen?
Jein. Ein kundenorientierter Laden wird sich kulant zeigen, Ihnen nichts verrechnen und auch die Putzarbeit übernehmen, denn Sie haben den Schaden ja nicht absichtlich verursacht. Falls Sie trotzdem für den Schaden aufkommen müssen, zum Beispiel wenn Sie ein Regal mit teurem Porzellan umstossen, ist es wichtig, zu wissen, dass Sie nicht den Kaufpreis erstatten müssen, sondern lediglich den effektiven Wert der Ware.

Darf das Ladenpersonal meine Jacken- oder Handtasche durchsuchen?
Nein. Ohne Ihre Einwilligung darf Sie nur die Polizei durchsuchen, weil das ein weitgehender Eingriff in die Privatsphäre ist.

Darf ich Geld, das ich im Supermarkt am Boden finde, behalten?
Jein. Grundsätzlich müssen Sie den Fund der Polizei oder einer mit der Aufsicht betrauten Person melden. Sofern es nicht mehr als 10 Franken sind, können Sie das Geld jedoch behalten. Das gilt auch, wenn Sie ein paar 1000er-Noten finden und sich der Eigentümer innerhalb von fünf Jahren nicht meldet. Ausserdem haben Sie Anspruch auf einen angemessenen Finderlohn, sollte sich der Eigentümer vorher melden.

Darf ich meinen Einkauf mit dem Einkaufswägeli nach Hause transportieren?
Nein. Sie machen sich dabei der Sachentziehung strafbar, da Sie sich für eine gewisse Zeit mit dem Einkaufswägeli bereichern und der Supermarkt währenddessen nicht frei über den Wagen verfügen kann. Doch oft kommen einem die Geschäfte da entgegen – besonders älteren Personen.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 03.11.2018, 18:29 Uhr

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