Bürki, der heimliche Held

Schweizer Torhüter prägen das Spiel Dortmund gegen Monaco. Für Benaglio endet der Abend enttäuschend, Bürki glänzt einmal mehr.

Roman Bürki kann sich auszeichnen, genauso wie Diego Benaglio bei Monaco. Trotzdem gewinnt der BVB 3:0. Video: Teleclub

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In einem wilden Bogen fliegt der Ball aufs Tor, er senkt sich kurz vor dem rechten Winkel, der würde passen, sehr gut sogar, doch dann schnellt Roman Bürki hoch, reisst seinen rechten Arm in die Höhe und entschärft den raffinierten Ball von Monacos Tielemans.

Wenig später: Diego Benaglio taucht ab, er schiesst nach unten in die rechte Ecke und lenkt den Ball von Wolf im letzten Moment um den Pfosten. Eine gute Tat, die gewürdigt wird. Seine Kollegen gehen auf den Schweizer zu und bedanken sich dafür.

Die Leiste plagt Benaglio

Die Schweizer Goalies haben das Spiel Dortmund gegen Monaco geprägt – im positiven Sinne. Trotzdem endet der Abend für den einen von ihnen negativ. Vielleicht war es das Alter, vielleicht einfach nur eine abrupte Bewegung. Nachdem Diego Benaglio den Ball von Wolf entschärfen konnte, verzieht er das Gesicht. Etwas ist nicht gut. Etwas ist gezerrt. Die Leiste zwickt. Kurz darauf muss der 35-Jährige in Diensten von Monaco ausgewechselt werden. Es ist eine Verletzung zur Unzeit, der Schweizer hat sich in dieser Saison in der Goalie-Hierarchie vor Danijel Subasic geschoben, den Torhüter des WM-Zweiten Kroatien. Nun droht Benaglio eine längere Pause.

Besser, ja viel besser läuft es Roman Bürki. Er ist der heimliche Gewinner von Dortmunds gutem Saisonstart. Noch bekommen die positiven Schlagzeilen in erster Linie seine Kollegen in der Offensive. Jene Spieler, die die Zuschauer mit ihren Taten und Toren betören. Da ist Captain Marco Reus, der trifft und trifft. Da ist der 19-jährige Jadon Sancho, der wunderbare Pässe schlagen kann. Und da spielt auch Jacob Bruun Larsen (20), der gestern das erste Tor schoss (als Benaglio bereits draussen war). Reus fasst seine Sturmtruppe zusammen: «Wenn du solche Strassenfussballer wie Jadon und Jacob hast, macht es echt Spass.» Dortmund gewinnt 3:0.

Doch das Fundament für Dortmunds Erfolg liegt stets in der Abwehr, darauf baut Lucien Favres Fussball auf, das war bei der Hertha so, ebenso in Gladbach und Nizza. Ein Fixpunkt in Dortmunds Defensive: Roman Bürki. Gegen Leipzig im ersten Meisterschaftsspiel verhindert er mit einer brillanten Parade die vorzeitige Entscheidung, worauf Dortmund die Partie drehen kann. Es ist ein Muster für die kommenden Wochen: Bürki glänzt praktisch in jedem Match mit einer oder zwei herausragenden Aktionen und verhindert damit, dass das Spiel eine andere, eine negative Wendung für Dortmund nimmt. Der 27-Jährige sagt im Singsang professioneller Fussballer: «Wir haben viele junge Spieler, die momentan einen überragenden Job machen. Der Teamgeist stimmt!»

Ein neuer Trainer

Bürki, der vergangene Saison zu den meistkritisierten Spielern gehörte, ist nun einer der meistgelobten. Er strahlt ein Selbstvertrauen aus, das sich auf seine jungen Vorderleute wie Manuel Akanji, Abdou Diallo und Dan-Axel Zagadou überträgt. Er hat das Risiko im Spielaufbau dosiert und machte bisher weniger Fehler.

Die Gründe für Bürkis Aufschwung sind mannigfaltig: Er hat auf dieses Jahr einen neuen Torhütertrainer bekommen, das dürfte einen Einfluss auf seine Leistung haben. Weiter musste er sich auf diese Saison hin mit Marwin Hitz auf neue Konkurrenz einlassen. Und: So schlecht, wie vielfach geschrieben wurde, war Bürki nicht. Nur hatte er bei den Kommentatoren einen schlechten Stand, worauf seine Fehlgriffe stets prominent kritisiert wurden.

Bürkis Lohn hat neben dem allgegenwärtigen Lob auch eine ästhetische Komponente: Er darf zuschauen, wie seine Kollegen vor ihm Fussball ziemlich erfolgreich zelebrieren. Der Ball läuft mit wenigen Ballberührungen Richtung gegnerisches Tor, meist in atemberaubendem Tempo, er kommt zur Sturmtruppe, es macht Tack, Tack. Und Tor. Favre-Fussball. (czu)

Erstellt: 04.10.2018, 10:58 Uhr

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