Abstiegskampf ohne Lebenszeichen

Beim EHC Kloten enttäuscht Trainer Kevin Schläpfer die hohen Erwartungen.

Wie kann Kevin Schläpfer aus seinen Spielern Sieger machen?  Foto: Patrick B. Krämer (Keystone)

Wie kann Kevin Schläpfer aus seinen Spielern Sieger machen? Foto: Patrick B. Krämer (Keystone)

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Am Sonntag gab es in Kloten Playoff-­Hockey. Der Viertelfinal der Elite-Junioren gegen Zug stand auf dem Programm – zwei Tage nachdem die Novizen die Halbfinals geschafft hatten. Doch während der Nachwuchs aufblüht, reiht das Aushängeschild des EHC Niederlage an Niederlage. Zwei Wochen bevor mit dem Playout der Abstiegskampf ­beginnt, stellt sich darum die Frage: Was ausser der Hoffnung spricht für den Verbleib in der National League? Und damit auch die Frage nach dem Trainer.

Hoch waren die Erwartungen im letzten Oktober. «Sicher weiterbringen» werde Kevin Schläpfer den EHC, lobte Präsident Hans-Ulrich Lehmann den neuen Coach. Der versuchte die Erwartungen zu dämpfen, indem er «einen steinigen Weg nach oben» ankündigte. Dass der Weg nach oben gehen würde, schien indes klar. Es war bei einem Tabellenletzten keine mutige Annahme.

Dennoch ist seit dem Wechsel des Trainers und der Entlassung des Sportchefs nicht der geringste ­Aufwärtstrend erkennbar.

Allein die Zahlen erschrecken. 36 Punkte aus 35 Spielen holte Schläpfer – kein anderer Club hat eine annähernd so schlechte Ausbeute. Die Saisonbilanz gegen jene Teams, auf die Kloten im Playout treffen kann, reicht von negativ (Lausanne, 4:8 Punkte) bis miserabel (Ambri, 1:14 Punkte). In den letzten 33 Spielen schaffte es der EHC kein einziges Mal, zwei Siege aneinander­zureihen. Im Gegensatz zum ­Vorgänger hatte Schläpfer meist vier oder mehr Ausländer im Kader. Und seit Einführung der 3-Punkte-Regel 2006 holte bei den Unterländern kein Trainer weniger Punkte pro Match als jener, der sie nun in den Abstiegskampf führt.

Überall sonst stünde einer mit einer solchen Bilanz zur Diskussion. In Kloten? Da ist es komplizierter.

Wer beurteilt den Trainer?

Denn erstens gibt es keinen Sportchef mehr, der über die Arbeit des Trainers ein Urteil fällen könnte. Stattdessen besteht eine vielköpfige Sportkommission, in der delikaterweise auch Schläpfer sitzt. Ihr mangelt es nicht an Kompetenz – aber verbindlich Verantwortung trägt auch keiner. So gibt es im Hintergrund jede Menge Einflüsterer, ohne dass einer etwas zu entscheiden hätte. Das muss am Ende der Präsident tun – ein Mann mit Geschäftssinn, aber ohne Eishockey-Background. An wem orientiert sich Lehmann bei der Beurteilung seines wichtigsten Angestellten? Mit dem Vertrag bis 2020 gab er ihm viel Kredit. Darf es darum – abgesehen von den Kostenfolgen – überhaupt sein, dass dieser Kredit schon weg ist?

Zweitens kam Schläpfer nicht nur als Trainer nach Kloten, sondern beinahe als Heilsbringer. Zweimal hatte er als Bieler Sportchef in letzter Sekunde den Trainer durch sich selbst ersetzt und den Club vor dem Abstieg gerettet. Da erscheint es widersinnig, den angekündigten Retter schon vor seiner eigent­lichen Bestimmung auszusortieren.

Video: Immerhin ein bisschen Spektakel bei Kloten

Und drittens verkörpert der ­Optimist und Motivator Schläpfer die Zukunft des EHC: Bei der Rekrutierung spielte er schon eine wichtige Rolle – drei von fünf Zuzügen kennt er von früher.

Im Abstiegskampf jedoch zählt das alles nichts. Vielleicht ist dieses Team ja gar nicht besser – selbst der taktisch versierte Pekka Tirkkonen scheiterte diese Saison grandios. Und vielleicht fällt den Profis die Identifikation schwerer, weil die Perspektive fehlt: Von 29 Spielern haben nur 12 einen weiterlaufenden Vertrag in Kloten. Solche Faktoren kann auch der Psychologe nicht ändern, der derzeit mit dem Team arbeitet.

Bilder: Die statistisch besten Spieler von Kloten

Aber so oder so gibt es einen Coach, der von der Doppelbelastung gezeichnet ist. Und der als Auswärtiger zunehmend isoliert wirkt in einem Club, wo die Erfolge von früher weiter präsent sind. Die Juniorentrainer Felix Hollenstein und André Rötheli, der Verwaltungsrat Sacha Ochsner: Sie stehen für Meisterglanz statt für nackten Überlebenskampf. In einem EHC ohne Sportchef, der dieser Tage einen neuen CEO einarbeitet, gehören sie zu den wenigen Orientierungspunkten. Die Versuchung dürfte gross werden, sich bei weiteren Niederlagen an sie zu wenden.

Oder zu hoffen, dass Ajoie die Swiss League gewinnt. Die Jurassier verzichten auf den Aufstieg – wie 2014, als die Ligaqualifikation entfiel und der Profiteur Biel hiess. Der Trainer? Schläpfer. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.03.2018, 22:53 Uhr

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