«Ich will die Nummer 1 auf die harte Tour»

Roger Federer erklärt in Rotterdam, wie viel es ihm bedeuten würde, nochmals an die Spitze der Weltrangliste zu klettern.

«Das Ranking interessiert mich nur, wenn ich die Nummer 1 werden kann», sagte Roger Federer an einer Medienkonferenz.

«Das Ranking interessiert mich nur, wenn ich die Nummer 1 werden kann», sagte Roger Federer an einer Medienkonferenz. Bild: Keystone

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Fünf Jahre ist es her, seit Roger Federer letztmals in Rotterdam antrat. Seine Rückkehr an das grosse Hallenturnier, das er 2005 und 2012 gewann, steht unter der Mission, nochmals die Nummer 1 zu werden, die älteste der Tennisgeschichte. Diesen Rekord hält Andre Agassi mit 33 Jahren – Federer ist dreieinhalb Jahre älter. Dass dieses Ziel der Hauptgrund für seine Reise in die holländische Hafenstadt ist, bekräftigte Federer, als er am Montag dort erstmals vor die Journalisten trat.

«Ich hatte nie damit gerechnet, dass ich das Australian Open nochmals gewinnen würde. Deshalb dachte ich, dass ich meine Chance auf die Nummer 1 vergeben hatte, als ich das Saisonfinal in London nicht gewann», erklärte er. Er war schon immer fasziniert von der Nummer 1, und das ist so geblieben, auch wenn die Weltrangliste für ihn an Bedeutung verloren hat. «Das Ranking interessiert mich nur, wenn ich die Nummer 1 werden kann», pflegt er zu sagen.

Seit über fünf Jahren nie mehr zuoberst

Nach seinem 20. Grand-Slam-Titel in Melbourne nahm Federer über seinen Manager Tony Godsick sofort Kontakt auf mit Rotterdam, wo der Sieger wie in Basel 500 ATP-Punkte erhält und wo Turnierchef Richard Krajicek bereit war, ihm eine Wildcard zu geben. Die Ausgangslage ist einfach: Erreicht Federer die Halbfinals, löst er kommenden Montag Rafael Nadal ab und er wäre mit einem Unterbruch von 5 Jahren und 106 Tagen jener Spieler, der es nach der längsten Pause nochmals an die Spitze geschafft hat. Sein Name stand bisher 302 Wochen zuoberst (Rekord), letztmals am 4. November 2012.

«Die Möglichkeit, Nummer 1 zu werden, ist motivierend und aufregend, vorsichtig ausgedrückt», sagte Federer, der 155 Punkte hinter Nadal liegt. «Ich geniesse diese Situation und versuche mit ganzem Herzen, diese Chance zu packen.» Er reiste am späten Sonntag ohne Familie nach Holland. «Wir haben viele Freunde zu Hause, und es fiel mir schwer, alle zu verlassen», gibt er zu.

«Ich weiss, dass es nie einfach ist, dorthin zu gelangen.»Roger Federer über die Nummer 1

Er habe deshalb auch gebeten, erst am Mittwoch antreten zu können. Dann trifft er zum Auftakt erstmals auf den Belgier Ruben Bemelmans (ATP 116), einen Linkshänder, gegen den er noch nie gespielt hat. Danach würde im Achtelfinal am Donnerstag entweder Philipp Kohlschreiber (36) oder Karen Chatschanow (48) warten. «Von Bemelmans weiss ich nicht viel. Ich muss noch herausfinden, wie er spielt.»

Im Viertelfinal könnte er auf Stan Wawrinka treffen. «Ich wäre gerne in dieser Position, egal gegen wen ich dann spielen würde. Aber es ist aufregend, dass es gegen Stan sein könnte», so Federer. «Das wäre ein grosser Match, wie ein Grand-Slam-Final. Und falls ich die Nummer 1 werde, will ich nicht, dass es leichtfällt – ich will es auf die harte Tour. Ich weiss, dass es nie einfach ist, dorthin zu gelangen.»

Es nochmals zu schaffen, wäre für ihn ein riesiger Erfolg. «Die Viertelfinals scheinen nicht so weit weg, aber momentan darf ich erst davon träumen.» Sollte er es in Holland nicht packen, hätte er immer noch die Option, Ende Monat noch in Dubai anzutreten und Nadal dort zu überholen.

Wawrinka: «Brauche noch mehr Zeit»

Wawrinka zeigte sich in Rotterdam gestern wenig überrascht von seiner Niederlage gegen Mirza Basic im Halbfinal von Sofia. «Ich brauche mehr Zeit nach meiner Operation. Ich bin noch nicht auf meinem höchsten Niveau. Aber meinem Knie geht es gut, deshalb bin ich glücklich.» Wichtig seien nicht die nächsten Wochen, sondern die nächsten Jahre. «Deshalb lasse ich mir Zeit, nehme alles Schritt für Schritt und versuche, jeden Tag das Richtige zu tun und nichts zu überstürzen.»

In Sofia habe er erstmals seit acht Monaten wieder drei Partien hintereinander gespielt. «Das gab mir weitere Aufschlüsse.» Er weiss, dass er im Viertelfinal möglicherweise auf Federer treffen könnte, und dass es für diesen dann um die Nummer 1 gehen würde. «Es wäre erstaunlich, wenn er auch noch die älteste Nummer 1 würde, sagte er. «Ich würde ihn aber gerne wieder an dieser Stelle sehen.»

Wawrinka, ebenfalls ein ehemaliger Rotterdam-Sieger (2015), bekommt es am Dienstag mit dem unbekannten Holländer Tallon Griekspoor (ATP 259) zu tun, einen 21-jährigen Wildcard-Empfänger. «Von ihm weiss ich nichts», gibt er zu. Im Achtelfinal würde es wohl deutlich schwieriger, wenn er gegen einen weiteren Holländer antreten müsste – Robin Haase (42) oder Thiemo De Bakker (352). (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.02.2018, 15:29 Uhr

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