«Genial», «Meisterklasse» – Liverpool feiert Shaqiri

Der Schweizer zeigt eine starke Leistung, wird von Trainer Klopp gelobt und erhält bei seiner Auswechslung Ovationen.

Überzeugender Auftritt: Der Schweizer Xherdan Shaqiri leitet für Liverpool das 1:0 ein und bereitet den zweiten Treffer vor. Video: Teleclub

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Nach zehn Minuten probiert er es das erste Mal. Mit einem Lob über die ganze serbische Abwehr, Kollege Salah vergibt. Diesmal. Der Pass ist ein erstes Signal von Xherdan Shaqiri. An seinen Trainer Jürgen Klopp. Hey, ich bin da, ich bin wichtig. Nur neun Minuten später zeigt er erneut, wie wichtig. Der Schweizer bekommt den Ball, gut 30 Meter vor dem Tor, zwei, drei kleine Schritte, bis Robertson da ist, wo ihn Shaqiri haben will. Der Angriff endet mit Firminos 1:0.

Der Schweizer legt nach, serviert dem ehemaligen Basler Mohamed Salah das 2:0. Zu diesem Zeitpunkt hat Shaqiri drei der letzten vier Liverpool-Tore vorbereitet. Auch im Spiel gegen Roter Stern Belgrad laufen fast alle Angriffe über ihn. Trainer Klopp ist begeistert, beschreibt den Pass vor dem 1:0 als «genial». Die britische Zeitung «Telegraph» titelt: Swiss masterclass inspires Liverpool. Schweizer Meisterklasse inspiriert Liverpool. In der Zeitung «Liverpool Echo» bekommt Shaqiri die Note 9. Von 10. Kein Liverpooler wird besser bewertet, nicht mal Doppeltorschütze Salah.

Günstig, gut für zwischendurch

Es ist eine beeindruckende Vorstellung, die man dem Schweizer Nationalspieler vor der Saison nicht unbedingt zugetraut hat. Die Konkurrenz sei sowieso zu gross mit Salah, Roberto Firmino und Sadio Mané im Sturm. Das Trio, das Liverpool von Grösserem träumen lässt und in den Champions-League-Final schoss. Nicht wenige zweifelten also an Klopps neuestem Transfer, darunter auch Fussballgrössen wie Gary Neville.

Nun glänzt Shaqiri. Nachdem er in der Saison zuvor abgestiegen war. Und nur 13 Millionen Euro gekostet hat. In Englands Fussballwelt, in der auch für durchschnittliche Spieler horrende Summen bezahlt werden, ist so ein Transfer mit einem Kauf von Schleckwaren am Kiosk zu vergleichen: Günstig, gut für zwischendurch, braucht man aber eigentlich nicht.

Jürgen Klopp aber hatte Pläne mit dem Schweizer. Bei diesem Preis-Leistungs-Verhältnis habe er zuschlagen müssen, sagte er. Er probierte viel mit Shaqiri, immer wieder kam der 26-Jährige zum Zug, schoss in der Vorbereitung spektakuläre Tore und lieferte in jedem Einsatz eine mindestens gute Leistung. Und jetzt also das Meisterstück, ausgerechnet in der Champions League, der grössten Fussballbühne Europas.

Aus drei werden vier

Der grösste Konkurrent in Liverpools berüchtigtem Offensiv-Dreizack hiess vor der Saison Mohamed Salah. Er, dieses Jahr war er einer der Anwärter auf den Titel des Weltfussballers, spielte zumeist auf dem rechten Flügel. Der deutsche Trainer Klopp aber scheint nun ein System gefunden zu haben, das zumindest gegen schwächere Gegner wie eben Roter Stern ideal ist. Aus dem Dreizack formt er da eine vier Mann starke Angriffsreihe.

So steht es auf dem Matchblatt. Darauf stellt sich der Gegner ein. Auf dem Rasen aber sieht es anders aus. Die vier wirbeln mächtig durcheinander, Shaqiris erste Torbeteiligung entsteht auf der linken Seite, die zweite ganz vorne rechts. Die Serben sind überfordert mit diesem Mix aus der Schweiz, Brasilien, dem Senegal und Ägypten. Die Bilanz: Salah schiesst zwei Tore, Shaqiri bereitet eines direkt, eines indirekt vor. Mané holt einen Penalty heraus und erzielt ebenfalls einen Treffer. Genauso wie Firmino.

Er hilft auch defensiv mit

Klopps Fussball ist auf die vier Spieler zugeschnitten. Und er passt auch zu Shaqiri. Weil er schnell ist, offensiv, ab und an sogar berauschend. Es ist ein Fussball, den der Schweizer weder bei Stoke City noch bei Inter Mailand oder in der Schweizer Nationalmannschaft zelebrieren konnte und kann. Weil der Trainer da nicht Klopp heisst und der Angriff nicht annähernd über jene Wucht verfügt wie jener Liverpools. Das scheint Shaqiri zu motivieren, er leistet auch mal Defensivarbeit. Etwas, was ihm bis im Sommer oft ziemlich gleichgültig war.

Beim Stand von 3:0 hat Klopp genug gesehen, um zu wissen: Doch, was ich hier aufgestellt habe, funktioniert. Shaqiri funktioniert. Und darum nimmt der Deutsche den Schweizer vom Platz. Es ist keine Bestrafung, es ist eine Belohnung, Shaqiris ganz eigener Abgang in diesem legendären Stadion. Die Zuschauer klatschen. Jeder, der ein rotes Trikot trägt, steht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.10.2018, 10:12 Uhr

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