Chinas Exportüberschuss gegenüber den USA auf Rekordhoch

Chinas Exporte in die USA steigen trotz Strafzöllen überraschend weiter. Die neuen Zahlen dürften Donald Trump verärgern.

Container auf Container: Ein Schiff wird im Hafen von Qingdao beladen. Bild: AFP

Container auf Container: Ein Schiff wird im Hafen von Qingdao beladen. Bild: AFP

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Trotz des Handelskrieges mit den USA sind die chinesischen Exporte im September insgesamt noch unerwartet stark gestiegen. Wie der Zoll am Freitag in Peking mitteilte, legten die Ausfuhren in US-Dollar berechnet um 14,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu - deutlich mehr als von Experten vorhergesagt. Die Importe wuchsen dank einer starken heimischen Nachfrage weiter kräftig um 14,3 Prozent.

Chinas Handelsüberschuss mit den USA erreichte im September aber einen Rekord von 34 Milliarden US-Dollar, was die Spannungen zwischen den beiden grössten Volkswirtschaften weiter anfachen könnte. Die USA sind nach der Europäischen Union der zweitgrösste Handelspartner der Volksrepublik. Experten erklärten die unerwartete Stärke der chinesischen Ausfuhren damit, dass Unternehmen möglicherweise ihre Exporte vorgezogen haben, um den Sonderzöllen der USA zuvorzukommen.

Nach Sonderzöllen auf chinesische Importe anfänglich im Wert von 50 Milliarden US-Dollar hatte US-Präsident Donald Trump erst Ende September neue Abgaben auf weitere Einfuhren aus China im Wert von 200 Milliarden US-Dollar erhoben. Mit Waren im Wert von rund 250 Milliarden US-Dollar ist jetzt rund die Hälfte der chinesischen Ausfuhren in die USA betroffen. Als Vergeltung hat China Sonderzölle auf Waren aus den USA im Wert von 110 Milliarden US-Dollar verhängt.

Da die Auswirkungen erst später zu spüren sein werden, erwartet der chinesische Zoll im vierten Quartal ein langsameres Handelswachstum. Jedoch hat China auch Einfuhrzölle gesenkt, um Importe anzukurbeln. Die weltweite Nachfrage nach chinesischen Waren scheint weiter stark.

Ein ausgewachsener Handelskrieg zwischen den USA und China könnte das globale Handelsvolumen nach Berechnungen der Welthandelsorganisation allerdings um 17,5 Prozent nach unten ziehen. Der Weltwährungsfonds (IWF) glaubt, dass China und die USA selbst erheblich leiden werden. Bei den bis jetzt angekündigten Straf- und Sonderzöllen auf Waren im Volumen von insgesamt 360 Milliarden Dollar sowie den angekündigten Zöllen auf Autos und Autoteile würde die US-Wirtschaftsleistung laut IWF um 0,9 Prozent, diejenige Chinas um 0,6 Prozent sinken.

Mehr Importe aus den USA - Ausfuhren wachsen langsamer

Ungeachtet der Spannungen importierte China seit dem Jahresanfang um 19,8 Prozent mehr Güter aus den USA als im Vorjahreszeitraum. Die Ausfuhren Chinas in die USA hingegen wuchsen in den drei Quartalen langsamer mit einem Plus von 11,5 Prozent. Seit dem Jahresbeginn wuchsen die chinesischen Ausfuhren insgesamt um 12,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, während die Einfuhren um 20 Prozent zulegten.

Der gesamte Handelsüberschuss der Volksrepublik erreichte im September knapp 32 Milliarden US-Dollar - deutlich mehr als vorhergesagt, aber immer noch weniger als mit den USA allein. Trump hatte am Donnerstag gedroht, noch härter gegen China vorzugehen, wenn er kein Entgegenkommen sieht. Er könne «noch viel mehr tun», sagte der US-Präsident in einem Interview mit Fox News - aber er wolle es nicht. China müsse wieder an den Verhandlungstisch kommen.

Die Gespräche zwischen beiden Seiten liegen derzeit auf Eis. Doch werden sich Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping auf dem Gipfel der führenden Wirtschaftsnationen (G20) am 30. November und 1. Dezember in Buenos Aires in Argentinien treffen. Trump fordert von Peking eine grössere Marktöffnung, ein Ende staatlicher Subventionen und ein wirksames Vorgehen gegen Technologieklau. (nlu/sda)

Erstellt: 12.10.2018, 11:19 Uhr

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