Darf die Vermieterin alle Hausbewohner zur Kasse bitten?

Die Antwort auf eine Leserfrage zu Sippenhaftung wegen Abfallsündern.

Es gibt Mittel und Wege, Güselgrüsel von ihrem Tun abzuhalten: Überfüllter Container in Zürich Albisrieden. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Es gibt Mittel und Wege, Güselgrüsel von ihrem Tun abzuhalten: Überfüllter Container in Zürich Albisrieden. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Letzthin erreichte uns ein Schreiben der Liegenschaftenverwaltung. Darin steht, dass in den Müllcontainern der Liegenschaft vermehrt Abfall zu finden sei, der nicht korrekt in Gebührensäcken entsorgt werde. Wir wurden gebeten, andere Hausbewohner zu beobachten und zu melden, wenn wir etwas Unkorrektes feststellen. Sollte dies nicht fruchten, würden die Kosten zur Entsorgung der illegal entsorgten Abfälle einfach allen Mieterinnen und Mietern auferlegt. Ich finde es stossend, dass man von mir verlangt, ich solle meine Nachbarn bespitzeln. Erst recht aber, dass die Verwaltung die Entsorgungskosten pauschal auf uns Hausbewohner überwälzen will. Dabei ist gar nicht erwiesen, dass der Kehricht von den Bewohnern unseres Hauses stammt: Die Container stehen auf dem Trottoir direkt neben einer Bushaltestelle und sind für jedermann zugänglich. Ich wüsste darum gerne, wie dies aus rechtlicher Sicht zu beurteilen ist.

Was Ihre Vermieterin Ihnen androht, ist rechtlich nicht zulässig. Mieter haften nur für Schäden, die sie auch selber verursacht haben. Wenn es Ihrer Vermieterin nicht gelingt, den Abfallsünder ausfindig zu machen, kann sie die Mehrkosten für die Kehrichtentsorgung nicht einfach auf alle Hausbewohner überwälzen. Es gibt keine Sippenhaftung für Mieterinnen und Mieter.

Wie Sie schreiben, ist der Container Ihrer Liegenschaft öffentlich zugänglich. Somit könnte irgendjemand seine Kehrichtsäcke darin entsorgen. Will die Vermieterin dies unterbinden, ist sie selber verantwortlich, entsprechend vorzusorgen.

Der Verzicht auf einen Hauswart bedeutet auch Verzicht auf regelmässige Kontrolle.

Dazu braucht es gar nicht viel. Wie die Erfahrung zeigt, genügt meist ein gut sichtbarer Hinweis, dass der Container überwacht werde, um potenzielle Abfallsünder von ihrem Tun abzuhalten. Man könnte das Abschreckungspotenzial auch zusätzlich mit einer Attrappe von einer Überwachungskamera erhöhen. Eine andere Möglichkeit wäre, ein Schloss am Container anzubringen und den Hausbewohnern einen Schlüssel dafür abzugeben. Das würde zumindest den Kreis der möglichen «Täter» einschränken.

Aus Ihren Schilderungen ist zu entnehmen, dass Sie in Ihrer Liegenschaft auch keinen eigenen Hauswart haben. Sonst würde sich die Vermieterin mit ihrem Anliegen wohl an diesen wenden. Aus Kostengründen verzichten immer mehr Vermieterinnen auf die ständige Betreuung ihrer Liegenschaften. Der Verzicht auf den eigenen Hauswart bedeutet aber auch Verzicht auf regelmässige Kontrolle. Die Vermieterin kann aber nicht erwarten oder gar verlangen, dass Sie und Ihre Nachbarn sich gegenseitig bespitzeln, um so quasi die fehlende Kontrolle wettzumachen.


Senden Sie uns Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht an rechtundkonsum@tages-anzeiger.ch.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.05.2017, 09:38 Uhr

Artikel zum Thema

Ehe kaputt – wo landen die Ringe?

Beim Ex, im Müll, auf Ebay: Ein Blick ins Internet zeigt, wo Geschiedene ihre Eheringe entsorgen. Mehr...

Wie den Kaugummi entsorgen?

Leser fragen Die Antwort auf eine weitere Leserfrage zu einem Klassiker. Mehr...

SBB verbannen Abfallkübel aus S-Bahnen

38’000 Tonnen Abfall entsorgen die SBB jedes Jahr. Während an den Bahnhöfen Recycling-Stationen gebaut werden, entfernt das Unternehmen die Kübel aus den Zugabteilen. Mehr...

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Newsletter

Kurz, bündig, übersichtlich

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Waagrechtstart: An den Festlichkeiten des St. Juliantag in Malta, springt ein Wettkämpfer von einem rutschigen Pfahl und schnappt sich die Fahne über dem Wasser. (20.August 2017)
(Bild: Darrin Zammit Lupi ) Mehr...