Wie wehre ich mich gegen das neue Kleingedruckte?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Versicherungen.

Kleingedrucktes: Versicherungen sind nicht dazu verpflichtet, eine Übersicht über Änderungen im Kleingedruckten vorzulegen.

Kleingedrucktes: Versicherungen sind nicht dazu verpflichtet, eine Übersicht über Änderungen im Kleingedruckten vorzulegen. Bild: Martin Ruetschi/Keystone

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Wegen einiger neuer Möbel in unserem Haushalt haben wir unsere Hausratversicherung gebeten, die Versicherungssumme um 20'000 Franken zu er­höhen. Statt einfach eine neue Police auszustellen, schickt uns die Gesellschaft nun aber eine Änderungsofferte, an der mich zweierlei stört: Zum einen ist darin eine fixe Vertragsdauer von fünf Jahren vorgesehen. Zum anderen werden neue allgemeine Versicherungsbedingungen (AVB) für anwendbar erklärt, ohne dass die Versicherung darlegt, wie sich diese von den bisherigen unterscheiden. Auf Anfrage konnte mir der Versicherungsberater darüber keine Auskunft geben. Muss ich wirklich selber das umfangreiche Klein­gedruckte vergleichen? Oder kann ich darauf bestehen, dass weiterhin die bisherigen AVB gelten? Diese habe ich nämlich beim Abschluss der ­Versicherung vor drei Jahren gelesen.

Zunächst gebührt Ihnen ein Kompliment dafür, dass Sie sich um den Inhalt der Versicherungsbedingungen kümmern. Viele Versicherte tun das nicht, obwohl es wichtig wäre. Auch mit Ihrer Beobachtung treffen Sie ins Schwarze: Versicherer nutzen jede Änderung, um ihren Kunden einen neuen Vertrag mit den neusten AVB und meist fünfjähriger Laufzeit anzubieten. Eine Übersicht über die wichtigsten Änderungen im Kleingedruckten fehlt dabei regelmässig.

Dazu sind die Gesellschaften auch nicht verpflichtet, denn das Gesetz verlangt lediglich, dass sie den Kunden vor Vertragsabschluss ein Exemplar der AVB abgeben. Das ist umso störender, als viele Versicherungsberater nicht in der Lage sind, Auskünfte über Änderungen zu erteilen. Und wenn sie es tun, dann meist mündlich, weshalb man sie im Schadensfall nicht behaften kann.

Wenn ein Kunde darauf besteht, dass weiterhin die bisherigen AVB gelten, so läuft es auf ein Kräftemessen zwischen ihm und der Versicherung hinaus. Fälle, in denen die Versicherer nachgeben, sind selten. Die Allianz Suisse etwa schreibt auf Anfrage: «Sollte ein Kunde die neuen Bedingungen nicht akzeptieren wollen, so ist die Aufhebung des Vertrags im gegenseitigen Einverständnis möglich.» Sie müssten also schon ein sehr guter Kunde sein, damit Ihre Ver­sicherung einlenkt.

Anders sieht es bei der fünfjährigen Vertragsdauer aus. Hier sind die Gesellschaften in der Regel bereit, dem Kunden ein jährliches Kündigungsrecht einzuräumen. Das läuft auf dasselbe hinaus wie ein einjähriger Vertrag, der sich automatisch erneuert, sofern er nicht gekündigt wird.


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Erstellt: 05.06.2016, 17:56 Uhr

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