Facebook-Programmierer missbraucht Daten des Web-Riesen

Der Mitarbeiter stalkte Frauen mit Informationen, die er vom Social-Media-Konzern klaute. Per Tweet wurde er blossgestellt.

Der Mitarbeiter, der private Daten zum Stalken missbrauchte, wurde entlassen. (Symbolbild)

Der Mitarbeiter, der private Daten zum Stalken missbrauchte, wurde entlassen. (Symbolbild) Bild: Reuters

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Nun auch noch das. Der Datenskandal von Facebook ist noch nicht ausgestanden, da taucht schon ein neuer am Horizont auf. Facebook musste einen Programmierer entlassen, weil er seinen Zugang zu privaten Daten von Nutzerinnen missbrauchte, wie «The Guardian» am Mittwoch berichtete. Der Mitarbeiter prahlte auf der Dating-App Tinder mit seinem Job und stellte Frauen nach. Warum er ausgerechnet das Pseudonym «professional stalker», also Profi-Stalker, verwendete, bleibt offen.

Der Mann wurde durch die IT-Sicherheitsberaterin Jackie Stokes auf Twitter aufgedeckt. Sie habe entdeckt, dass ein Sicherheitsentwickler vermutlich seinen privilegierten Zugang dazu nutze, um Frauen online zu stalken. «Was soll ich mit dieser Information tun», fragte sie per Tweet und postete den Screenshot eines Tinder-Chats mit ihm. Eine belästigte Programmiererin hatte sich zuvor an Stokes gewendet. Der Stalker hatte unter anderem private und berufliche Informationen von der Frau veröffentlicht.

Die Geschichte kommt für Facebook zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Firma will in die Partnervermittlung einsteigen und hat vor wenigen Tagen eine Dating-App für Langzeitbeziehungen angekündigt. Facebook reagierte daher in ungewohnter Eile auf die Stalkingvorwürfe gegen einen Mitarbeiter. IT-Sicherheitschef Alex Stamos teilte mit, dass der Mitarbeiter fristlos entlassen worden sei. Die Angelegenheit werde mit grosser Dringlichkeit untersucht. «Es ist wichtig, dass die Informationen der Menschen sicher und privat bleiben, wenn sie Facebook benutzen», sagte er in seiner Stellungnahme. Deshalb habe Facebook strenge Richtlinien und technische Einschränkungen für Angestellte. «Angestellte, die sich nicht an die Richtlinien halten, werden entlassen», sagt Stamos.

Erst Anfang April war bekannt geworden, dass das Datenleck von Facebook viel grösser war als bisher angenommen und dass die englische Wahlkampffirma Cambridge Analytica zu rund 87 Millionen Facebook-Profilen Zugang hatte. Cambridge Analytica arbeitete an Donald Trumps Wahlkampf mit und ging gezielt auf potenzielle Wähler zu. Mitarbeiter liessen durchblicken, dass sie dabei auf Informationen aus dem Internet zurückgriffen. Die Firma bestreitet aber, dass sie die Facebookdaten zu Wahlkampfzwecken verwendet habe. Am Mittwoch wurde bekannt, dass Cambridge Analytica schliessen muss. (nj)

Erstellt: 03.05.2018, 11:47 Uhr

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