Wie Facebook in Zürich PR macht

Während sich Mark Zuckerberg in den USA verteidigte, fand in der Schweiz ein PR-Event statt. Er zeigte, in welch schwieriger Lage der Konzern steckt.

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Die beiden Journalisten stehen nur wenige Meter voneinander entfernt. Doch obwohl sie im gleichen Raum sind, bewegen sie sich in komplett unterschiedlichen Welten. Der eine löchert Facebooks Zentraleuropa-Chef Martin Ott mit Fragen zum Datenskandal. Der andere hat eine 3-D-Brille auf der Nase und versucht, virtuelle Schmetterlinge einzufangen.

Wenige Minuten zuvor hat Ott den PR-Event in Zürich offiziell eröffnet. Mehrere Dutzend Journalisten sind eingeladen worden, um «in entspannter und persönlicher Atmosphäre» neue Facebook-Produkte kennen zu lernen. Dass der Anlass in einem hippen Designstudio im Zürcher Industriequartier stattfindet, passt zum Image, das der Konzern sich gern gibt. Dass er just auf den Tag fällt, als Chef Mark Zuckerberg zum zweiten Mal vor US-Politikern aussagen muss, ist Zufall. Allerdings einer mit Symbolkraft.

Bei seiner kurzen Ansprache führt Ott die Kommunikationsstrategie des Chefs konsequent weiter: sich entschuldigen, Asche über das Haupt streuen, Besserung geloben. Aber auch vieles offenlassen.

Video: Mark Zuckerberg wird in die Enge getrieben

Ein demokratischer Senator stellte Mark Zuckerberg kritische Fragen zur Privatsphäre. Video: Tamedia/AP

«Es war mein Fehler, und es tut mir leid», sagt Zuckerberg in Washington. «Das hätte so niemals passieren dürfen», sagt Ott in Zürich. «Wir haben unsere Verantwortung nicht wahrgenommen», sagt Zuckerberg. «Wir haben ganz klar Fehler gemacht», sagt Ott. «Wir werden uns verbessern», sagt Zuckerberg. «Wir müssen jetzt der Sache auf den Grund gehen», sagt Ott.

Dann sollen sich die Medienvertreter an verschiedenen Stationen informieren: über Virtual Reality, Gruppen auf Facebook, Werbung auf Instagram. Das Gedränge dort hält sich in Grenzen. ­Zentraleuropa-Chef Ott hingegen ist ständig belagert. Man will von ihm wissen, ob noch mehr als die bisher ­bekannten 87 Millionen Nutzer vom Datenskandal betroffen sein könnten. Ob die angekündigten Verbesserungen beim Schutz der Privatsphäre schlecht fürs Geschäft seien. Und wie wichtig die Schweiz für Facebook ist. Einige Antworten gibt es, aber nur «off the ­record» – sie dürfen also nicht zitiert werden. Radikale Transparenz sieht ­anders aus.

Totschweigen geht nicht

Die Szenen offenbaren das Problem des Anlasses. Den Skandal totschweigen geht nicht. Das ganze Programm umstellen auch nicht. Also entscheidet man sich für einen Mittelweg – und macht damit klar, in welch schwieriger Situation sich Facebook gerade befindet. Der Konzern muss Zukunftsprojekte weitertreiben und gleichzeitig verhindern, dass ihn die Altlasten überrollen.

Es ist der zweite derartige Anlass, den Facebook in der Schweiz organisierte. Zu sagen, der Konzern sei hierzulande sonst wenig präsent, ist eher untertrieben. Presseanfragen werden meistens von Deutschland aus beantwortet.

Seit 2016 ist Facebook immerhin über die Tochterfirma Oculus in der Schweiz vertreten. Sie übernahm das ETH-Projekt Zurich Eye und entwickelt nun in Zürich die Virtual-Reality-Brillen, die auch am PR-Event zum Einsatz kamen.

Zwei Prozent weniger Nutzer

Was die Nutzerzahlen von Facebook angeht, scheint die Schweiz derzeit ein harziger Markt zu sein. 3,8 Millionen Menschen loggen sich hierzulande laut Zahlen der PR-Agentur Bernet mindestens einmal pro Monat bei Facebook ein. 2017 sei die Zahl der Nutzer um zwei Prozent zurückgegangen. Zuvor war sie jedes Jahr mehr oder weniger stark angestiegen.

Facebook verliert vor allem bei den unter 30-Jährigen an Boden – während die Zahl der älteren Nutzer weiter steigt. Ob der Skandal um Cambridge Analytica in der Schweiz Folgen für Facebook haben wird, lässt sich laut der PR-Agentur noch nicht sagen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.04.2018, 11:45 Uhr

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