Eine Lektion fürs Leben

Die Schülerinnen und Schüler, die sich für die Jokertage eingesetzt haben, wissen nun: Mit guten Argumenten kann man in unserem Land mitgestalten.

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Die Primarschulen haben sie längst, neuerdings auch die Rekrutenschulen. Und nun also auch die Zürcher Mittelschulen. Die Rede ist von Jokertagen. Gestern hat sich der Kantonsrat dafür ausgesprochen, dass Gymnasiasten an ein paar wenigen Tagen dem Unterricht ohne Begründung fernbleiben dürfen.

Das ist ein längst überfälliger Entscheid, gegen den es im Grunde keine stichhaltigen Argumente gibt. Warum soll eine Regelung, die an Primarschulen seit Jahren etabliert ist, am Gymi «ein falsches Signal» sein, wie es Bildungsdirektorin Silvia Steiner sagt? Wer so argumentiert, verkennt, dass Gymnasiasten leistungsbereite Schülerinnen und Schülern sind – sonst wären sie nicht da, wo sie sind. Dass das Gymi im Gegensatz zur Primarschule freiwillig ist, ändert daran nichts.

Auch das SVP-Argument, Jokertage ebneten den Weg in eine «Spassgesellschaft», verfängt nicht. Das Gymnasium ist heute strenger denn je. Mag sein, dass der eine oder andere Gymischüler den Jokertag nicht für eine «sinnvolle» Betätigung nutzt, sondern mal an einem Montag in den Europa-Park fährt.

Das Gymnasium ist heute strenger denn je.

Na und? Ein Fehltag schadet nicht. Zumal der verpasste Schulstoff ja dann nachgeholt werden muss.

Bemerkenswert ist der Entscheid des Rats denn auch nicht wegen seines Inhalts, sondern vor allem wegen seiner Entstehungsgeschichte. Er geht auf ein klassenübergreifendes Projekt an der Kantonsschule Bülach zurück. Es sind ja genau solche Projekte, die im Zuge allgemeiner Sparbemühungen gefährdet sind. Dabei zeigt gerade dieses Beispiel, wie wichtig solche Unterrichtsformen sind: Die 14 Schülerinnen und Schüler, die nicht nur Unterschriften für ihr Anliegen sammelten, sondern auch einen Weg fanden, dieses im Kantonsrat einzuspeisen, haben eine Lektion für ihr Leben gelernt. Sie haben erfahren, wie Politik funktioniert. Sie wissen nun, dass man in unserem Land mitgestalten kann, wenn man gute Argumente hat und nicht lockerlässt.

Ein Staat, der solche Jugendlichen hat, kann sich stolz schätzen. Sie sind der Jokertage, die sie fordern, mehr als würdig. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.01.2018, 20:40 Uhr

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