Jetzt ist Schluss mit dem Steuer-Volkssport

Wer seine Steuern frühzeitig bezahlte, erhielt von den Steuerämtern bisher 1,5 Prozent Zinsen. Nun senkt der Regierungsrat den Zinssatz drastisch.

Will nicht Bankdirektor sein: Regierungsrat Ernst Stocker (SVP).

Will nicht Bankdirektor sein: Regierungsrat Ernst Stocker (SVP). Bild: Dominique Meienberg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es war eine der ersten Amtshandlungen des neuen Finanzdirektors Ernst Stocker (SVP), auch wenn der Antrag bereits von Vorgängerin Ursula Gut (FDP) vorgespurt worden war. Stocker beantragte dem Regierungsrat eine massive Senkung des sogenannten Vergütungszinses. Das ist der Zins, den Kanton und Gemeinden den Steuerpflichtigen gutschreiben, die ihre Steuern vor dem 30. September zahlen oder aufgrund der provisorischen Rechnung zu viel einbezahlt haben.

2011 betrug dieser Zins 2 Prozent, seit 2012 1,5 Prozent. Ab der Steuerperiode 2016 wird er auf 0,5 Prozent gesenkt, wie die Regierung nun beschlossen hat. Es ist eine Reaktion auf das allgemeine Zinsumfeld und die Politik von Nationalbank und Geschäftsbanken, die ihre Zinsen teils gar ins Negative gezogen haben. «Der Kanton will keine Bank sein», sagt Roger Keller, Sprecher der kantonalen Finanzdirektion.

Viel mehr Frühzahler

Immer häufiger nutzten Steuerpflichtige die Zinsdifferenz zwischen Banken und Kanton. Weil man auf Sparguthaben kaum mehr als 0 Prozent erhält, zahlte man die Steuern vorzeitig. Das wurde zum Volkssport. Zum Beispiel in Illnau-Effretikon: Dort verdreifachte sich der Betrag innert der letzten fünf Jahre. Reiche Gemeinden wie Küsnacht zahlten sogar drauf, weil immer mehr Steuerpflichtige im Voraus einzahlten und diese Beträge nicht durch Zu-Spät-Zahler, die einen Zins von ebenfalls 1,5 Prozent auf den Steuerbetrag zu entrichten hatten, ausgeglichen wurden. Diese Gemeinden sind denn auch beim Kanton vorstellig geworden.

Die neue Zinspolitik des Kantons betrifft vor allem Spitzenverdiener, Superreiche und Firmen. Wenn diese ihre Steuerbeträge frühzeitig einzahlten, konnten sie Tausende von Franken sparen. Nun drittelt sich diese Ersparnis. Doch auch weniger Verdienende werden den Einschnitt spüren. So konnte ein Ehepaar mit einer Steuerrechnung von 15'000 Franken immerhin 150 Franken einsparen, wenn es die Steuern bereits Ende Januar zahlte statt erst Ende September. Dieser Betrag sinkt auf 50 Franken.

«Es lohnt sich weiterhin»

Nun fragt sich, ob sich das Zahlungsverhalten der Steuerpflichtigen ändern wird. Der Regierungsrat ist der Meinung, dass der Anreiz bleibt, da 0,5 Prozent immer noch deutlich mehr sind als die von den Banken offerierten Zinsen. «Es lohnt sich weiterhin, die Steuern frühzeitig zu zahlen», sagt Keller.

Wie sich der Zinsentscheid auf den Kantonshaushalt auswirken wird, ist unklar. Weil in den letzten drei Jahren mehr Steuerpflichtige zu früh einzahlten als zu spät, legte der Kanton zwischen 1,2 und 2,2 Millionen drauf. Theoretisch möglich ist, dass nun viele erst nach dem 30. September einzahlen und den Ausgleichszins entrichten, der wie der Vergütungszins von 1,5 auf 0,5 Prozent gesenkt wurde. Dann würde der Kanton unter dem Strich mehr einnehmen oder zumindest weniger draufzahlen.

Verzugszins bleibt

Den Verzugszins für säumige Steuerzahler hat der Regierungsrat bei 4,5 Prozent belassen. Das ist der Strafzins für jene, die ihre Steuern auch 30 Tage nach Zustellung der definitiven Schlussrechnung nicht zahlen. Dieser Zins, so kritisierten Gemeinden, sei eher zu tief angesetzt. Immer mehr Steuerpflichtige benützten das Steueramt als Bank – die Zinsen für die Konsumkredite der «echten» Banken sind deutlich höher als 4,5 Prozent. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.07.2015, 12:24 Uhr

Artikel zum Thema

«...oder bini öppe e Bank?»

Wer schlau ist und es sich leisten kann, zahlt seine Steuern im Voraus. Denn es winkt ein Zins, mit dem keine Bank mithält. Der neuste Volkssport könnte allerdings bald ein jähes Ende finden. Mehr...

Steuerabzüge bis zum «Gratis-Bürger»

Fürs Abo, für Kinder, für die 3. Säule: Wie viel Milliarden die vielen Steuerabzüge den Staat kosten. Und wo die Grenzen für Null-Steuern sind. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Erotik zu dritt

Hier finden Singles oder Paare den passenden Partnern für den flotten Dreier: The Casual Lounge.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Höhenflug: Im Vorfeld der Viehauktion in der schottischen Stadt Lairg springt ein Schaf über andere Schafe der Herde. Die Auktion in Lairg ist eine der grössten europaweit mit bis zu 15'000 Schafen. (14.August)
(Bild: Jeff J Mitchell/Getty Images) Mehr...