So extrem sind Jugendliche

Rund sechs Prozent der 17- und 18-Jährigen sind rechtsextrem, sieben Prozent linksextrem. Knapp die Hälfte aller muslimischen Jugendlichen lehnen westliche Werte ab.

Knapp die Hälfte der 17- und 18-Jährigen sind  kapitalismusfeindlich. (Bild: TA-Archiv)

Knapp die Hälfte der 17- und 18-Jährigen sind kapitalismusfeindlich. (Bild: TA-Archiv)

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Erstmals haben Fachleute den Extremismus bei 17- und 18-Jährigen in der Schweiz untersucht. Fazit: Jugendliche stimmen eher Ideologien von Extremismus zu, als dass sie extremistische Gewalt befürworten. Die Untersuchung ist von zwei Dozenten der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) sowie von der Hochschule für Sozialarbeit Freiburg getätigt worden. Dabei wurden 2017 über 8000 Jugendliche in zehn Kantonen befragt.

Die einzelnen Ergebnisse: Sechs Prozent der befragten Schweizer Jugendlichen sind rechtsextrem eingestellt. Es gibt jedoch grosse Unterschiede: Während ein Viertel von ihnen ausländerfeindlich und ein Fünftel nationalistisch eingestellt ist, befürworten nur knapp fünf Prozent Gewalt gegen Ausländer. Rechtsextremes Gewaltverhalten zeigten knapp drei Prozent der 17- und 18-Jährigen Schweizer in den letzten zwölf Monaten, beispielsweise gegen Ausländer und Linksextreme.

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Linksextrem eingestellt sind sieben Prozent aller Befragten. Knapp die Hälfte sind kapitalismusfeindlich, und ein Fünftel stehen Polizei und Staat feindlich gegenüber. Kommunismus befürworten aber nur fünf Prozent und Gewalt gegen Polizisten acht Prozent. Gewalttätiges Verhalten haben vier Prozent der Jugendlichen in den zurückliegenden zwölf Monaten gezeigt. Seien es kapitalismusfeindliche Sachbeschädigungen, Angriffe auf Polizisten und physische Gewalt/Sachbeschädigung gegen Rechtsextreme.

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Als islamistisch extrem eingestellt gelten knapp drei Prozent der befragten muslimischen Jugendlichen. Knapp die Hälfte ist abwertend gegenüber westlichen Gesellschaften eingestellt. Demgegenüber ist eine Schweizerfeindlichkeit nur bei knapp vier Prozent der muslimischen Befragten festzustellen.

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Dirk Baier vom Institut für Delinquenz und Kriminalprävention von der ZHAW zieht alles in allem doch eine positive Bilanz. «Der überwiegende Teil der Schweizer Jugendlichen ist grossmehrheitlich zufrieden und nicht extremistisch.» Zudem hätten Jugendliche mit extremistischen Tendenzen primär entsprechende Gedanken und nur wenig Gewaltverhalten. Co-Autor Patrik Manzoni ergänzt: «Wir haben aber einen Prozentsatz mit gefestigten extremistischen Einstellungen, den wir ernst nehmen müssen.» Die Präventionsarbeit in diesem Bereich müsse weiter verstärkt werden.

Beide Autoren sind sich einig, dass dies unter anderem bei muslimischen Jugendlichen der Fall ist, wo knapp die Hälfte abwertend gegenüber westlichen Gesellschaften eingestellt ist. Diese Einstellung werde einerseits durch arabische Sender genährt und andererseits durch immer wiederkehrende Erzählungen, dass Muslime vom Westen unterdrückt und ausgebeutet würden. Daneben gilt es aber auch, der Muslim- und Ausländerfeindlichkeit bei einheimischen Jugendlichen vorzubeugen.

«Bestätigen Winterthurer Präventionsstrategie »

Der Kanton Zürich hat bei der Präventionsarbeit im Extremismusbereich schweizweit eine Vorreiterrolle. Einerseits befasst sich seit März die Interventionsstelle gegen Radikalisierung und gewalttätigen Extremismus bei der Kantonspolizei mit religiösem und politischen Extremismus. Andererseits hat die Stadt Winterthur im Oktober 2016 die Fachstelle Extremismus und Gewaltprävention realisiert.

Fachstellenleiter Urs Allemann sagt, dass die Ergebnisse der Studie die Stossrichtung der Winterthurer Präventionsstrategie bestätigen würde, insbesondere die Wichtigkeit von guter Ausbildung und der sozialen Integration. «Wenn Jugendliche in persönlichen Krisen und auf der Identitätssuche von Akteuren aus Schule, Sozialarbeit und Jugendarbeit zielgerichtet begleitet werden, ist ein wichtiger Beitrag für die Prävention von Extremismus geleistet.» Allemann betont, dass Präventionsangebote demokratische Werte vermitteln und Zivilcourage fördern sollen, dazu gehöre die Gewaltfreiheit.

Hotspot Winterthur

Dass Winterthur eine eigene Fachstelle hat, überrascht nicht. So haben sich in der Vergangenheit etliche Jugendliche aus Winterthur dem sogenannten «Islamischen Staat» (IS) angeschlossen und sind auch nach Syrien gereist. Die meisten wurden in der An-Nur-Moschee im Winterthurer Industriequartier Grütze radikalisiert. Im Oktober hat das Bezirksgericht Winterthur acht Mitglieder der inzwischen geschlossenen An-Nur-Moschee schuldig gesprochen. Sie hatten zwei Gläubige festgehalten und gepeinigt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.11.2018, 12:12 Uhr

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