Vier Postautostrecken, die sich lohnen

Vom Weinland bis zum Albis: Mit den gelben Bussen lässt sich der Kanton Zürich bequem erkunden.

Trotz Schnee vom See hoch zum Pass: Postauto der Linie 240, die Thalwil mit Hausen am Albis verbindet. Foto: Patrick Gutenberg

Trotz Schnee vom See hoch zum Pass: Postauto der Linie 240, die Thalwil mit Hausen am Albis verbindet. Foto: Patrick Gutenberg

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16 Minuten touristische Parade

Von der S-Bahn-Station Marthalen zu jener in Ossingen: Das sind 16 herrliche Postauto-Minuten. Sie führen durch eine Gegend, die besser nicht heissen könnte: Weinland. Dies berauschende Land ist ein Traum: Weiden und Wald und Wiesen und Weite mit den Höhenzügen Irchel und Cholfirst am Horizont. Vergesst das Emmental, das Appenzellerland und andere touristische Paradegebiete der Schweiz, Leute – das Weinland ist viel schöner! Römische Legionäre, übrigens, haben die Reben importiert; sie versahen in der Region den Grenzdienst gegen die Germanen und bekamen zur Pensionierung ein Stück Boden.

Das Postauto 621 steuert eine Handvoll Dörflein an, es sind Fachwerkbau-Ballungen der anrührenden Art. Am schönsten ist wohl Rudolfingen. Dort muss man aussteigen. Oder doch nicht? Für den Fahrtunterbruch in Trüllikon spricht der Hirschen, in dem man vorzüglich isst. Jedenfalls aber wäre es ein Fehler, einfach durchzublochen. Herrlich sind diese 16 Minuten. Es wird einem, wie dieser Text das hoffentlich belegt, hymnisch zumute im Postauto von Marthalen nach Ossingen. (uso)


Ein See hier, ein Seeli da

Diese Wanderung war so etwas wie ein Vater-Hund-Sohn/Kinder-Samstagmorgen-Klassiker: Albispass–Albishorn. Der Beginn mit dem Poschti vom Bahnhof Thalwil auf den Pass, der ist mir in Erinnerung geblieben. Ich mochte immer diese richtige Passfahrt auf den kleinen Pass ganz in der Nähe. Sechs Kehren nur, aber doch. Beim Wildpark links, dann die letzten Häuser, bevor es in den Wald geht. Durch die Bäume blitzt da und dort Wasser, kurz vor der Passhöhe sieht man über den ganzen Zürichsee.

Selten sind wir auf der anderen Seite wieder runtergefahren. Schade eigentlich. Denn die Strecke nach Hausen am Albis hat durchaus ihre Reize. Zum Beispiel den Türlersee, ein prächtiges Seeli in einer ebenso prächtigen Ebene. Dort liesse es sich auch wunderbar wandern.

Ich bin vorhin nochmals mit Google-Streetview auf Passfahrt gegangen. Es ist wie in meiner Erinnerung: Graues Wetter, da und dort drücken ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke. See und Seeli schimmern wie flüssiges Silber. Das Posti Richtung Bahnhof Thalwil, Linie 240, hält übrigens gerade an der Station Hinteralbis. (bra)


Büssli in die Filmkulisse

13 Minuten dauert die Fahrt mit dem Postauto von Bauma nach Sternenberg Kirche. Dabei überwindet man 213 Höhenmeter und findet sich danach in einer der schönsten Gegenden des Kantons Zürich wieder. Das Gefährt ist kein ausgewachsener Bus, wie man es bei den Postautos gewohnt ist, sondern ein grosser Transporter, der mit Sitzen ausgerüstet ist. Auf der Fahrt dudelt Schweizer Volksmusik aus den Lautsprechern.

Was man in Sternenberg machen kann: schlitteln und Ski fahren im Winter (manchmal), wandern im Sommer. Oder das ganze Jahr über essen bei der grandiosen und nimmermüden Marianne Brühwiler, die momentan in einem Provisorium wirtet, weil ihr Gasthaus Sternen Ende 2016 niedergebrannt ist. Ja, das ist der Sternen, in dem der Liebesfilm «Sternenberg» mit Mathias Gnädinger spielt. Natürlich ist auf der kurvenreichen Strecke die Fahrt mit dem Postauto grossartig. Darin findet man unter der Woche gut Platz, an schönen Tagen am Wochenende kanns allerdings eng werden. Und aufgepasst: Die Linie 809 fährt den Kurs nur siebenmal am Tag, es gibt keinen Stundentakt. (zet)


Im «gelben Pfeil» an den Rhein

Es ist die direkte Busverbindung von Winterthur an den Rhein: Die Postautolinie 670 vom Winterthurer Hauptbahnhof nach Rafz. Allerdings: Der Ausflug an den Rhein will erdauert sein. Knapp 40 Minuten geht es mit dem «gelben Pfeil» zuerst durch Winterthurer Aussenquartiere, dann durch Neftenbach und schliesslich in einer Art Zickzackkurs durch Dörfchen in eine immer abgelegenere Gegend. In Buch am Irchel könnte man aussteigen, um von dort aus zum Aussichtsturm zu wandern.

Wer im Postauto bleibt, fährt weiter über Gräslikon nach Berg am Irchel, von wo es hinunter geht nach Flaach und zur Haltestelle Ziegelhütte. Jetzt sind es nur noch wenige Meter bis an den Rhein oder ins Naturzentrum Thurauen, das grösste Auengebiet des Mittellandes. Ein Restaurant gibt es dort ebenso wie einen Zeltplatz. Reizvoll sind Wanderungen zum Thurspitz, wo die wilde Thur in den Rhein mündet, oder zur Tössegg mit ihrer Ausflugsbeiz. Ganz in der Nähe befindet sich die Schiffsstation Rüd­lingen, von wo von Frühling bis Herbst Schiffe nach Eglisau fahren – auf einem der schönsten Abschnitte des Rheins. (mth)

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.02.2018, 21:03 Uhr

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