Coop-Mitarbeiter müssen an Heiligabend bis 20 Uhr arbeiten

In Zürich bleiben am 24. Dezember viele Coop-Filialen bis am Abend offen. Andere Gross-Detailisten schliessen bereits um 16 Uhr.

Arbeiten bis spätabends: Viele Coop-Mitarbeitende – auf dem Bild in Wiedikon – können Weihnachten nicht zuhause feiern.

Arbeiten bis spätabends: Viele Coop-Mitarbeitende – auf dem Bild in Wiedikon – können Weihnachten nicht zuhause feiern. Bild: Keystone

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Diesen Heiligen Abend werden viele Verkäufer nicht bei der Familie vor dem Tannenbaum verbringen, sondern zwischen Kühlregalen und gestressten Kunden. In der Stadt Zürich plant Coop, über zehn Filialen am 24. Dezember bis 20 Uhr und am 31. Dezember bis 21 Uhr geöffnet zu halten, wie «20 Minuten» berichtet. Dazu gehören nicht nur Filialen an Bahnhöfen, sondern auch in Quartieren – etwa in Wiedikon, im Sihlfeld oder an der Langstrasse.

«Für uns ist das ein absolutes No-go», sagt ein betroffener Mitarbeiter. «Uns werden immer mehr Feiertage weggenommen», sagt er. «Jetzt müssen wir uns damit abfinden, vor Weihnachten wie an einem normalen Arbeitstag bis spätabends zu arbeiten.» Früher sei jeweils um 17 oder 18 Uhr Schluss gewesen. «Diejenigen, die das entschieden haben, müssen natürlich nicht arbeiten. Sie sitzen dann mit ihren Familien bei einem guten Abendessen zu Hause.»

Unia warnt vor «Salamitaktik»

Lange Öffnungszeiten vor und an Feiertagen sind aus den grossen Bahnhöfen und Flughäfen bekannt. Dort gelten kantonale Ladenschlussgesetze nicht. Nun halten sie erstmals auch in Quartierfilialen Einzug. Möglich sind sie, weil der Kanton Zürich ein liberales Ladenschlussgesetz kennt.

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Bei der Gewerkschaft Unia kommen die Pläne schlecht an. «Das Beispiel zeigt die Konsequenz von immer weiteren Liberalisierungen bei den Öffnungszeiten auf», sagt Lorenz Keller, Co-Geschäftsleiter der Unia Zürich-Schaffhausen. Die Detailhändler würden eine «Salamitaktik» anwenden: «Die Öffnungszeiten werden Schritt für Schritt ausgedehnt. Vor einigen Jahren begannen die Detailhändler, am 2. Januar ihre Läden zu öffnen. Und als letztes Jahr der 24. Dezember auf einen Sonntag fiel, wurden sogar Sonntagsverkäufe durchgeführt.»

«Kunden sind froh darüber»

Die Händler würden sich ein «Wettrüsten» liefern, sagt Keller. «Das geht auf Kosten der Mitarbeiter. Wer am 24. Dezember bis um 20 Uhr arbeiten muss, ist vielleicht um 21 oder 22 Uhr zu Hause. Dann ist es für die Familienfeier zu spät.»

Coop verteidigt die Pläne. Der «allergrösste Teil» der Filialen schliesse am 24. Dezember um 17 Uhr, sagt Sprecherin Andrea Bergmann. Einige wenige Verkaufsstellen hätten aber regulär geöffnet. Über eine Liste verfüge Coop nicht, weil die Verkaufsregionen darüber entscheiden würden. «Einzelne Verkaufsstellen haben länger geöffnet, weil wir den Kunden die Möglichkeit geben möchten, vor den Festtagen noch letzte Einkäufe zu erledigen», sagt Bergmann. Viele Kunden seien froh darüber. Die Wünsche der Mitarbeiter würden bei der Einsatzplanung «wenn immer möglich» berücksichtigt.

Migros plant keinen Ausbau

Die Migros schliesst ihre Filialen am 24. Dezember in der Regel um 16 Uhr, an grossen Bahnhöfen oder am Flughafen später, wie Migros-Sprecherin Cristina Maurer sagt. Diese Öffnungszeiten seien seit Jahren im ähnlichen Rahmen, ein Ausbau sei nicht geplant.

Ähnlich hält es der Discounter Lidl. «Obwohl der 24. Dezember als normaler Werktag gilt, verzichten wir auf den Verkauf in den frühen Abendstunden und schliessen den Mitarbeitenden zuliebe bereits um 16 Uhr», sagt Sprecherin Corina Milz.

(Übernommen von 20min.ch, bearbeitet von Tagesanzeiger.ch/Newsnet.)

Erstellt: 08.11.2018, 08:40 Uhr

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