Auch in Luzern waren die beiden Hochhäuser umstritten

Zwischen dem Fussballstadion in Luzern und demjenigen, das in Zürich entstehen soll, gibt es viele Parallelen. Doch so heftig wie in Zürich wurde das Projekt in der Innerschweiz nicht bekämpft.

Architekt Daniele Marques erhielt 2016 für den Bau der Swissporarena den Kunst- und Kulturpreis der Stadt Luzern verliehen. Bild: freshfocus

Architekt Daniele Marques erhielt 2016 für den Bau der Swissporarena den Kunst- und Kulturpreis der Stadt Luzern verliehen. Bild: freshfocus

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Mit wenigen Differenzen existiert in Luzern, was Zürich noch plant: ein Fussballstadion mit zwei Hochhäusern, die danebenstehen. Trotz vieler Gemeinsamkeiten der beiden Projekte, eines wird der Zürcher Stadtrat seinen Luzerner Kollegen wohl kaum nachmachen: dem Architekten den wichtigsten Kunst- und Kulturpreis der Stadt verleihen. Genau das ist in Luzern passiert: Daniele Marques erhielt ihn 2016 verliehen – fünf Jahre nach der Eröffnung der Swissporarena. Nicht nur wegen des Fussballstadions – es ist aber eines seiner wichtigen Werke.

Fast zwei Jahrzehnte träumten die Stadt Luzern und vor allem die Vereinsführung des FC Luzern von einem neuen Fussballstadion. Geplant oder gar projektiert wurde in dieser Zeit allerdings nichts. Als der Traum dann real werden sollte, war der politische Prozess in Luzern schnell vorüber; vom Investorenwettbewerb bis zum Eröffnungsspiel dauerte es gerade mal vier Jahre.

Darüber stimmen die Stadzürcherinnen und Stadtzürcher am 25. November ab. Video: Wibbiz/Tamedia/Stadt Zürich/Keystone

Zu Beginn war allerdings alles andere als klar, ob das Stadion in Luzern überhaupt je erstellt würde. Im Parlament und bei zwei Volksabstimmungen zu Umzonung und Kredit sorgten in Luzern zwei Punkte für Zwist, die das Projekt fast zum Erliegen brachten – beide sind im Übrigen auch in Zürich heftig diskutiere Aspekte. Im Unterschied zu Zürich, wo die öffentliche Hand nichts ans Stadion bezahlen muss, hat sich die Stadt Luzern mit 15 Millionen Franken am Bau der Sportarena beteiligt. Und der FC Luzern hat knapp 10 Millionen Franken eingebracht. Die beiden Zürcher Clubs dagegen bezahlen nichts.

Die SP als Spielverderberin

Einer der beiden Kritikpunkte waren in Luzern die Hochhäuser, die von privaten Investoren erstellt wurden. Ihre Renditen sollten das Stadion wie in Zürich quersubventionieren. In Luzern sind die Häuser mit 77 und 88 Metern deutlich weniger hoch als in Zürich, wo die beiden Türme 137 Meter hoch werden sollen. Die Luzerner Allmend liegt am Rand der Stadt in einer Ebene, von der aus sich in etwas Entfernung der Pilatus erhebt. Selbst Architekt Iwan Bühler, der mit dem später ausgezeichneten Daniele Marques für die Gestaltung der Gebäude und des Stadions verantwortlich war, meinte, dass die Hochhäuser nicht dorthin gehörten. «Verdichten und in die Höhe bauen müsste man eigentlich dort, wo der Boden am teuersten ist», sagte er noch vor den Abstimmungen. Und das wäre das Stadtzentrum.

Die Swissporarena in Luzern. Foto: Valeriano Di Domenico/Freshfocus

Wie in Zürich forderten die Sozialdemokraten, auf die Hochhäuser zu verzichten. In Zürich versuchen sie es mit einer Initiative, in Luzern probierten sie es im Parlament und mit einer Kampagne vor der zweiten Volksabstimmung. Auch dort schlugen sie ein anderes Finanzierungsmodell vor, statt privater Investoren sollte die Stadt bezahlen. Mit ihren Vorschlägen kam die Luzerner SP allerdings nicht durch. Und der Landschaftsschutzverband und weitere Rekurrenten zogen Einsprachen zurück, sodass es kaum zu Bauverzögerungen wegen rechtlicher Auseinandersetzungen kam. Zum anderen stand in Luzern der Investor in der Kritik – die Credit Suisse, die auch in Zürich involviert ist. Warum, fragte Luzerns Linke, soll ein Investor «satten Gewinn» machen mit Bauten auf öffentlichem Grundstück? Im Gegensatz zum Hardturm, wo ein Teil des Landes einmal der CS gehörte und von der Stadt gekauft werden konnte, war die Allmend in Luzern seit je im Besitz der Stadt.

Verzicht auf Mantelnutzung

Vergleichen lassen sich auch die beiden Fussballstadien. In Luzern haben 16'000 bis 17'000 Zuschauer Platz, je nachdem, ob es sich um ein internationales oder ein nationales Spiel handelt. Nur unwesentlich grösser ist das geplante Stadion in Zürich mit 18'000 Plätzen. An beiden Orten wird auf eine Mantelnutzung verzichtet, es gibt also keine grossen Einkaufszentren. In Luzern wurden aber das Hallenbad und ein Fitnesscenter integriert.

Dass Luzern so schnell zum Fussballstadion kam, begründet der damalige Baudirektor Kurt Bieder (FDP) mit dem Vorgehen. «Viel zum Erfolg hat ein in jeder Phase gelebtes mediatives Handeln beigetragen», schrieb er 2013 in der «Zentralschweiz am Sonntag». Segensreich sei zudem die politisch und fachlich breit abgestützte Zusammensetzung des Stadtrats gewesen.

Das Stadionprojekt auf dem Zürcher Hardturm-Areal. Visualisierung PD

Der heutige Stadtpräsident Beat Züsli (SP) sagt, das Stadion und mit ihm die Hochhäuser seien in Luzern unterdessen sehr gut akzeptiert. Der Sozialdemokrat hatte das Bauvorhaben als Parlamentarier und bei den Volksabstimmungen bekämpft. Heute wohnt er am Hang oberhalb der Allmend und sieht die Bauten täglich: «Ich habe mich gut mit ihnen abgefunden.»

Andere Clubs profitierten

Dass die Stadtluzerner dem Stadion und den Hochhäusern zweimal zustimmten, dafür sieht Züsli zwei Gründe. Zum einen konnte im Fussballstadion ein dringend benötigtes, neues Hallenbad erstellt werden. Andere Sportclubs, die auf der Allmend waren, wie die Schützen oder die Bocciaspieler, erhielten eine bessere Infrastruktur. Das Fussballstadion und die Hochhäuser seien für Luzern nur ein Teil der Allmend. Auch der Messebereich sei gleichzeitig stark ausgebaut worden. Beim Stadion habe sich die Grösse als ideal erwiesen.

In Luzern gibt es neben dem Stadion ein zweites Beispiel, das gemeinsam von der öffentlichen Hand und von Privaten finanziert worden ist. Der Bau des Kunst- und Kongresshauses Luzern (KKL) sei schon in einer Public Private Partnership realisiert worden, sagt Züsli. Die Bevölkerung habe also Vertrauen gehabt in dieses Modell, was ein wesentlicher Faktor für die Zustimmung gewesen sei.

Im Jahr der Eröffnung des neuen Stadions konnte der FC Luzern mit 240'000 Besuchern einen neuen Zuschauerrekord verbuchen. Die Besucherzahlen des Clubs, der wie gestern gegen den FCZ unstete Leistungen bringt, sind danach aber auf 200'000 Personen gesunken. In der vergangenen Saison waren es noch 180'000.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.11.2018, 21:22 Uhr

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Der Grasshopper Club hat am Samstag Saisonkartenbesitzer angerufen, die in der Stadt Zürich wohnen. An der Aktion haben sich GC-Geschäftsführer Manuel Huber sowie die beiden verletzten Spieler Arlind Ajeti und Marco Djuricin beteiligt. «Wir wollten damit die Fans aufrufen, dass sie abstimmen gehen», sagte Kommunikationschefin Fabienne Wildbolz. (zet)

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