Zürcher Schwimmbäder platzen aus allen Nähten

Die Umstellung von 24 Bädern im Sommer auf sieben im Winter führt zu Platznot. Inzwischen müssen selbst Schulklassen in städtische Bäder ausweichen.

Manchmal wird es auch gewollt eng im Pool: Unterwasser-Rugby im Hallenbad Oerlikon.

Manchmal wird es auch gewollt eng im Pool: Unterwasser-Rugby im Hallenbad Oerlikon. Bild: Keystone

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Es ist wieder so weit: Der Zürichsee ist mit seinem 12 Grad kalten Wasser nur noch eine Option für hartgesottene Schwimmer, und in den sieben Hallenbädern der Stadt herrscht ganz offiziell «Wassermangel», so steht es in der Raumbedarfsstrategie Sport (RBS) des Zürcher Sportamts. Die Nachfrage übersteigt das Angebot demnach bei weitem.

Rund ein Viertel der Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher nutzt das Bäderangebot in Zürich regelmässig. Schwimmen gehört zu den Sportarten, die selbst Sportmuffel nicht abschrecken und Scharen ins Wasser treibt. Im Sommer verteilen sich die Hobby- und Profisportler gut auf alle 24 städtischen Hallen-, Frei- und Flussbäder. Wenn es kalt wird, müssen sie sich die Innenbecken teilen. «Das Wassermanagement und die Koordination der Nutzeransprüche ist in Hallenbädern eine stete Herausforderung», heisst es denn auch in der RBS.

Um das Angebot wenigstens stundenweise zu erweitern, öffnet das Sportamt ausserhalb der Schulzeit Schulschwimmanlagen in den Quartieren für die Bevölkerung. Dort ist dann nicht nur freies Schwimmen möglich, es gibt auch Tauchlektionen, Eltern-Kind-Schwimmen, Aquafit oder Kurse von Rheumaliga und Pro Senectute. Der Einzeleintritt für Erwachsene und Jugendliche kostet 5 Franken, Kinder bis 16 Jahre zahlen 2.50 Franken. Ein Abonnement mit 12 Eintritten kosten 50 respektive 25 Franken, das Sportabo ist in den Schulschwimmbädern ebenfalls gültig.

Stadt öffnet Schulbäder als Alternative

Allerdings gibt es diese Hallenbad-Alternative nur in 6 von 17 Schulschwimmbädern der Stadt: In den Schulhäusern Aemtler, Altweg, Am Uetliberg, Isengrind, Riedtli und Tannenrauch. «In den übrigen Schulschwimmanlagen finden am Abend private Kurse statt oder sie werden von Schwimmvereinen genutzt», sagt Sportamt-Sprecherin Manuela Schläpfer. Der Druck nimmt auch hier zu: In Zürich sind Schwimmlektionen in der ersten bis vierten Primarklasse obligatorisch – und die Zahl der Schüler steigt konstant an. Inzwischen müssen die Klassen schon in städtische Hallenbäder ausweichen, weil die Auslastung in manchen Schulhäusern zu gross ist, und sorgen so für weiteren Dichtestress im Becken.

Generell geht man in Zürich von einem Bevölkerungswachstum von 10 Prozent bis 2025 aus. Besonders ausgeprägt ist dieses Wachstum mit rund 20 Prozent in der Altersklasse der 40- bis 64-Jährigen, die laut Sportamt besonders oft schwimmen. Deshalb sei neben der Sanierung und Modernisierung bestehender Anlagen auch ein gezielter Um- und Ausbau der Infrastrukturen nötig.

Mehr 50-Meter-Becken

Namentlich ein neues Hallenbad mit 50-Meter-Becken beantragt das Amt. Noch besser wären zwei. Gemäss Raumbedarfsstrategie des Sportamts müssten zudem das Hallenbad Bungertwies möglichst bis 2019, das Wärmebad Käferberg bis 2020 und das Hallenbad Bläsi bis 2022 saniert und erweitert werden. So jedenfalls wäre es gewünscht. Pläne liegen allerdings keine vor.

Eines der wichtigsten und grössten Projekte ist der Ersatzneubau für das Hallenbad Oerlikon. «Der Projektierungskredit über 18 Millionen Franken für den Neubau des Sportzentrums Oerlikon ist beantragt», sagt Silvan von Wartburg, Sprecher von Immobilien Stadt Zürich. «Damit schlägt der Stadtrat dem Gemeinderat unter anderem vor, die Kapazitäten gegenüber dem heutigen Hallenbad Oerlikon zu erhöhen – auch für die schulische Nutzung.»

Konkret sind im neuen Hallenbad zwei Lernschwimmbecken im Raumprogramm eingeplant, sollte es dereinst zusammen mit der Kunsteisbahn zu einem Sportzentrum ausgebaut werden. Dann würden den Schwimmern unter anderem auch ein 50-Meter-Bassin mit zehn statt acht Bahnen zur Verfügung stehen. Die Gesamtkosten für die Umsetzung des Projekts belaufen sich auf rund 193 Millionen Franken. Über den Kredit muss das Volk entscheiden. Der Bezug des neuen Sportzentrums wäre für 2027 geplant.

Ein Hallenbad in Zürich-West?

Erst im August dieses Jahres wurde die Idee der Stadt bekannt, auf dem Areal der heutigen Kehrichtverbrennungsanlage an der Josefstrasse in Zürich-West ein neues Hallenbad zu bauen, wenn das Kraftwerk 2021 stillgelegt und abgerissen wird. «Dabei ist ein Hallenbad eine mögliche Nutzung – neben Pflegezentrum, Alterswohnen, Werkhof oder Freiraum», betont Schläpfer.

«Wir prüfen derzeit, wo es in der Stadt Zürich Möglichkeiten gibt, den zusätzlichen Bedarf an Hallenbädern zu decken. Im ersten Quartal 2019 sollten die Ergebnisse vorliegen.»Silvan von Wartburg, 
Immobilien Stadt Zürich

Unklar ist auch, ob noch ein weiteres Hallenbad auf Stadtgebiet realisiert werden könnte, wie es das Sportamt beantragt. «Wir prüfen derzeit, wo es in der Stadt Zürich Möglichkeiten gibt, den zusätzlichen Bedarf an Hallenbädern zu decken. Im ersten Quartal 2019 sollen die Ergebnisse dem Stadtrat zur Genehmigung vorgelegt werden», sagt Immo-Sprecher von Wartburg.

Das Sportamt überprüft schon jetzt bei jedem Bau eines Schulhauses oder beim Umbau von bestehenden Hallenbädern, ob dort auch Schwimmlektionen möglich wären, wie es im Umbauprojekt des Hallenbads Oerlikon der Fall ist. Auch im Neubau des Schulhauses Freilager wird eine Schulschwimmanlage erstellt. Damit steht den Schulkreisen Letzi, Limmattal und Uto ab Schuljahr 2022/23 zusätzliche Wasserfläche für den Schwimmunterricht zur Verfügung. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.11.2018, 08:26 Uhr

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