She ist der Boss

Vicki Saunders von SheEO will das System ändern: Mit «radikaler Grosszügigkeit» sollen Frauen andere Frauen dabei unterstützen, eigene Firmen zu gründen. Auch in Zürich.

Super Boss: Die Australierin Vicki Saunders hat die Organisation SheEO 2015 gegründet.

Super Boss: Die Australierin Vicki Saunders hat die Organisation SheEO 2015 gegründet. Bild: SheEO

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Wie meistens, wenn etwas Neues beginnen soll, weiss man nicht so recht. Ist diese Idee wirklich gut oder einfach nur ein Hirngespinst? Sind die Ansprüche überhaupt realistisch oder allzu überzogen? Kann man, darf man, schafft man das?

Im Zweifelsfall immer: Ja. Sagt Vicki Saunders, sinngemäss. Die australische Unternehmerin, 2011 vom World Economic Forum (WEF) zur «Global Leader for Tomorrow» gewählt, hat vor drei Jahren SheEO gegründet. Mit der Organisation will sie Frauen weltweit zu «Activators» machen, zu Frauen also, die andere Frauen dabei unterstützen, ihre Ideen zu verwirklichen und Firmen zu gründen.

Bisher sei es schwierig, Frauen zu fördern, erklärte Saunders kürzlich an der Kick-off-Veranstaltung im Impact Hub in Zürich. Weil die Führungspositionen meistens immer noch von Männern besetzt seien. Und weil das Wirtschaftssystem zu sehr auf Männer ausgerichtet sei und es Frauen erschwere, weiterzukommen. Den Frauen fehle es oft an Gehör, an Geld, auch an Mut.

Nicht alle erhalten gleich viel

Im zweistöckigen Raum des Viaduktbogens sitzen vielleicht 80 Zuhörerinnen, alle begierig, von Saunders zu erfahren, wie die 53-Jährige dieses System aufbrechen will. «Mit radikaler Grosszügigkeit», sagt sie. Und wird sogleich konkret: Anfänglich spenden 500 Activators je 1100 Franken in einen Topf. Zusammen wählen die Activators fünf Frauen aus, von deren Geschäftsideen sie denken, sie seien unterstützungswert. Finanziert werden die ausgewählten Ideen mit dem gespendeten Geld – aber nicht zu gleichen Teilen. Die Activators setzen Prioritäten und verhandeln untereinander, warum jemand mehr erhalten soll als eine andere.

Die neuen weiblichen CEOs – die SheEOs – zahlen die erhaltene Summe innert fünf Jahren zinsfrei zurück. Aber nicht an die Spenderinnen, sondern in den Topf. So soll dieser stetig anwachsen durch immer neue Activators in immer mehr Ländern, und so soll das Geld ständig in Bewegung bleiben, weil weitere SheEOs dazukommen, Geld erhalten und es nach ein paar Jahren wieder zurückzahlen.

Um die Schweizerinnen für diese Vision zu gewinnen, ist Saunders nach Zürich gekommen. Finden die Zürcherinnen diese Vision gut oder einfach ein Hirngespinst?

Ein Velo für Gehbehinderte

Saunders nennt konkrete Zahlen: 3000 Activators konnte die Organisation SheEO in Kanada, den USA und Neuseeland gewinnen. Drei Millionen Dollar befinden sich derzeit im Geldtopf. Und 32 Frauen haben bereits ein Unternehmen gegründet.

Darunter die Holländerin Barbara Alink, die ein erhöhtes Velo entworfen hat, mit dem sich alte und gehbehinderte Menschen vorwärtsbewegen – und zwar auf Augenhöhe anderer Passanten. Alink fiel auf, dass beeinträchtigte Personen von der übrigen Gesellschaft kleingemacht werden: Man setzt sie etwa in niedrige Rollstühle. Können sie sich aber weiterhin auf gleicher Höhe fortbewegen wie die Gesunden, fühlen sie sich selbstbewusster, sind weniger anfällig für Depressionen und nehmen mehr am öffentlichen Leben teil.

1100 Franken? Eigentlich nicht viel

Die zweistündige Kick-off-Veranstaltung, angereichert mit vielen enthusiastischen Werbespots, dröhnenden Videoclips und kritischen Fragen aus dem Publikum, ist ergebnisoffen. Am Schluss, beim Apéro, kann sich auf einer Liste eintragen, wer gerne Activator werden möchte.

Eigentlich spreche nichts dagegen, sagt manch eine Besucherin. 1100 Franken für einen guten Zweck? Sei ja eigentlich gar nicht so viel, wenn man es genau bedenke.

Laut den Veranstalterinnen haben schliesslich gegen 40 Schweizerinnen gesagt, dass sie gerne mitmachen würden, und viele hätten Unterstützung via ihre Netzwerke angeboten. Vielleicht gibt es bald eine Organisation SheEO Switzerland. Es wäre der erste Ableger in Europa. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.11.2018, 12:44 Uhr

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