Spielplatz am Abgrund

Der gefährlichste Spielplatz von Zürich liegt über der Ein- und Ausfahrt einer Tiefgarage, warnt ein ehemaliger Kantonsrat. Eltern sollten ihre Kinder dort nicht aus den Augen lassen.

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Die Schaukel mit den zwei Sitzen auf dem Marktplatz Oerlikon ist beliebt und wird fleissig benutzt. Das Spielgerät gehört zu einem städtischen Spielplatz, auf dem viele Kleinkinder herumtoben und der auch für Erwachsene ein beliebter Treffpunkt ist. Für Hans-Rudolf Winkelmann aber ist der Spielplatz in erster Linie ein Sicherheitsrisiko. Der ehemalige LdU-Kantonsrat hat die verantwortlichen Stellen der Stadt schon zweimal darauf aufmerksam gemacht – ohne dass etwas passiert wäre.

Der Grund seiner Kritik: Der Platz wird auf einer Seite von einer nur rund einen Meter hohen Mauer abgegrenzt, hinter der es sechs Meter in die Tiefe geht, weil sich dort die Ein- und Ausfahrt einer Tiefgarage befindet. Winkelmann hat schon mehrere Male beobachtet, welchen Reiz das Mäuerchen auf kleine Kinder ausübt. «Nicht auszudenken, was passiert, wenn eines hochklettert, hinunterstürzt und dann auch noch von einem Auto überfahren wird.»

Es sei pures Glück, dass sich bisher noch kein Unfall ereignet habe – zumal die Gefahr nicht ersichtlich sei, wenn man den Spielplatz vom Marktplatz her betrete. Winkelmann ist selber Grossvater von acht Enkeln. «Ich würde sie nie in der Nähe dieser Mauer spielen lassen», sagt er. Es gebe in der ganzen Stadt Zürich wohl keinen anderen Spielplatz, der so nah an einer Garageneinfahrt gebaut sei.

Sicherheitsanforderungen erfüllt

Der Spielplatz, 2007 erstellt, gehört der Stadt Zürich und wird von Grün Stadt Zürich unterhalten. Sprecher Marc Werlen sagt: «Die Mauer und der Spielplatz entsprechen den aktuell gültigen Sicherheitsanforderungen.» Für die Sicherheit gelte die Norm SN EN 1176, nach der alle Spielplätze gebaut und regelmässig geprüft würden.

Die baulichen Massnahmen richten sich nach einem zu erwartenden Gebrauch. Da Kinder sich aber nicht immer an Erwartungen halten, sei eine dem Alter entsprechende Aufsicht geboten. Laut Werlen sind keine weiteren Schutzmassnahmen wie etwa ein Auffangnetz geplant. «Neue Massnahmen schaffen neue Risiken», sagt Werlen, «ein Netz zum Beispiel lädt geradezu ein, auf der Betonmauer zu balancieren.»

«Maximale Fallhöhe: 3 Meter»

Für Hans-Rudolf Winkelmann ist es unbegreiflich, dass die Stadt den Spielplatz nicht besser sichert. «Wenn die Auffangnetze keine Lösung sind, könnte man doch wenigstens die Mauer so gestalten, dass es für Kleinkinder unmöglich wird, darauf zu stehen.» Man habe schon bei deutlich weniger gefährlichen Situationen auf Spielplätzen eingegriffen. Er erinnert an den Fall in Adliswil, wo vor einigen Jahren eine Dampflokomotive als Spielgerät weg musste, auf der Kinder seit Generationen herumgeturnt sind. Der Grund: Bei einem Sturz wäre der Boden nur ungenügend gedämpft gewesen, und die maximale Fallhöhe betrug mehr als drei Meter. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.04.2018, 12:16 Uhr

Statistische Zahlen

Gefahren auf dem Spielplatz

Eine Analyse der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) von 3350 Unfällen auf Kinderspielplätzen zeigt, dass Kinder bis zu 5 Jahren besonders gefährdet sind. Die häufigste Ursache seien Stürze. Kinder bis 4 Jahre besitzen kein Bewusstsein für Gefahren und können die Folgen ihres Tuns nicht abschätzen. Erst ab einem Alter von rund 10 Jahren verhalten sie sich präventiv. Aber selbst dann gilt ihre Aufmerksamkeit mehr dem Spielen als möglichen Gefahren. (roc)

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